Dienstag, 18. Dezember 2007

Zieleinlauf

Wie geht's eigentlich beim Marathonlauf zu? Naive Leute denken, man würde laufen und kämpfen und sich bemühen, und wenn man schließlich als Erster im Ziel ankommt, kann man den Sieg feiern, und womöglich gibt's noch eine Siegerehrung.
  Das ist natürlich Unfug.
  In Wahrheit ist es beim Marathonlauf nämlich so, dass man kämpft und läuft, und irgendwann sieht man unter sich eine weiße Linie und fragt sich: "Ist das die Ziellinie?" Man wird langsamer, schaut sich um, aber es gibt keine Hinweise. Also rennt man weiter. Bis am Rand jemand steht und ruft: "He! Warum rennst du so? Der Marathon ist doch längst vorbei!" "Vorbei?", fragt man überrascht zurück. "Und jetzt? "
  "Stell dich da hinten an, da geht's weiter", kommt die Antwort.
  Man weiß nicht recht, ob man dieser Gestalt am Wegesrand glauben soll. "Wo war denn der Zieleinlauf?"
  "Das siehst du später auf dem Siegerfoto. Jetzt stell dich erst mal an."
  Anstatt einen Sieg zu feiern, steht man also in der Schlange. Und es ist eine lange Schlange. Am Ende kriegt man ein Formular mit vielen Feldern, die man erst mal in Ruhe ausfüllen muss - Starternummer, Name usw. Das alles gibt man irgendwann ab, und während man zum Ausgang des Stadions schlendert, bekommt man ein Siegerzertifikat in die Hand gedrückt. Damit steht man dann auf der Straße, blickt sich verblüfft um und wundert sich. War das jetzt das Rennen? Wann genau hat man gewonnen? Soll man jetzt feiern, oder wartet man noch auf das Siegerfoto oder die Siegerehrung?


So endet ein Marathonlauf.
So würde er jedenfalls enden, wenn es beim Marathon zuginge wie in der Verlagswelt.


Heute jedenfalls ist der Tag, wo ich dastehe und irgendwie feststellen kann, dass ich ein Buch verkauft habe. Der Zeitpunkt, den genau ich als "Lauf über die Ziellinie" feiern kann, ist nicht so leicht festzulegen. Würde ich das Buch nun genauso schreiben, wie es in der Geschäftswelt zugeht, würde man mir einen mangelnden Sinn für Dramaturgie und klare Wendepunkte bescheinigen.
  Nun, egal. Ich freue mich jetzt einfach mal, dass ich irgendwann während des Laufens diesen Marathon anscheinend gewonnen habe. Und freue mich weiter auf die "Siegerehrung". Die irgendwann in den nächsten Jahren folgen wird. Ganz wie es sich für einen Marathon gehört ;-)

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Ahhh. Schon wieder ein warmer Teil deiner kostbaren Seele! Mit jedem verkauften Buch...werde ICH mehr und Du weniger...hehehe

Grüsse von unserem gemeinsamen Freund! Er wird sich bald auch in meinem Sack wiederfinden!

*schüttelt seinen glühenden Sack*

Der Literaturteufel

Lomax hat gesagt…

Na, du weißt ja, was ich dazu sage: Ich habe meine Seele nicht verkauft. Und außerdem habe ich einen guten Preis dafür bekommen ;-)

Anonym hat gesagt…

Schön, dass du deine Lust nach Geld mit deinem Gewissen so gut abgeklärt hast! Hey, ICH habe nichts dagegen! Ich liebe Autoren, die reich werden wollen. Mehr als diese komischen Typen, die posthum ewigen Ruhm erlangen wollen aber zeit ihres Lebens nur Krautsuppe löffeln! Bäh, sag ich dazu nur!

Unser gemeinsamer Freund - Sein Name Darf Nicht Genannt Werden - hat übrigens endlich angefangen an seinem Roman zu schreiben. Ja, es geschehen wirklich Wunder zur Weihnachtszeit.

Einiges davon ist obskur aber gut. Anderes ist einfach nur obskur. Und dann gibt es noch die wirklich subversiv-perversen Dinge, die ihm ewigen Ruhm einbringen werden (wie er hofft, dieser kleine, gierige Wicht!)

Tatsächlich plant er dich damit ins Unglück zu stürzen. Er will den Roman nämlich DIR widmen, weil er allerlei Unsinn mit dir besprochen hat und das alles nun anwenden will beim Schreiben! Man stelle sich das nur vor. Die Konsequenzen könnten furchtbar sein. Du würdest im Dunstkreis des Antichristen der deutschsprachigen Fantasy positioniert werden. Und das bei deiner seriösen Tätigkeit als Lektor und Gutachter!

Wahrlich, manchmal habe ich Angst vor diesen Autoren! Und dabei bin ich doch der...

Literaturteufel

PS: Ich versuche ihn davon abzubringen. Aber bei seinen langatmigen Selbstgesprächen fällt es sogar MIR schwer ihn zu beeinflussen!

Lomax hat gesagt…

Hm, der zweite Kommentar vom selben Leser. Also hat das Blog jetzt zumindest einen regelmäßigen Besucher. Mist. Da muss ich mir in Zukunft wohl überlegen, was ich schreibe, und kann das Lohmannsland nicht mehr gedankenlos als intimen Tagebuch-Ersatz verwenden.
Privatsphäre im Internet ist auch nicht mehr das, was es mal war ...

Was die Widmung besagten Autors betrifft: Da es der Förderung der Intertextualität dient, kann ich dagegen natürlich keine Einwände haben. Womöglich werde ich mich revanchieren, indem ich diesem Autor einen Platz in einem meiner Romane zukommen lasse, wie es im Lovecraft'schen Freundeskreis üblich war.
Auch eine gute literarische Tradition, und die Monster sind stets hungrig ...

Anonym hat gesagt…

Dein Tagebuch beschäftigt uns gefallene Literaturengel schon seit langem. Einige von uns meinten, du wärst einer der niedergestreckten Literaturerzengel, die bloss ihr GEdächtnis verloren haben und fälschlicherweise glauben sie seien Gutachter.

Diese These haben wir aber dann verworfen. Deine Gutmütigkeit relativiert das Boshafte in dir zu sehr. Jetzt sind wir einfach nur davon überzeugt, dass du der anderen Seite zugehörig bist, und deswegen gepiesackt gehörst. Meine Brüder und Schwestern werden deswegen für die nächsten 800 Jahre deine Blogs mit niveauvollen Kommentaren versehen. Thema wird immer das Fantasy-Genre sein. Kannst du dir eine schlimmere Weapon of Literary Mass Destruction vorstellen?!

Was deine Fehde mit diesem bizarren Autor angeht: Er hat von deiner Drohung gehört seinen Namen den MOnstern in deinen Romanen auszuliefern. Sich vor einem gewissen BASKON sehr fürchtend, ist er dann sogleich zum nächsten Pentagramm gestürzt und hat seine Seele Booktroll überantwortet - vielleicht DER Oberböse in der Literaturhölle!

Deine intertextuelle Magie wirkt deswegen auf Dessen Name Nicht Genannt Werden Darf nicht mehr. Dazu sei angemerkt, dass Booktroll DER lügnerische Sohn einer billig produzierten BOD-Anthologie ist, die ihre Seiten für jeden lüsternen Satz gespreizt hat, von hier bis nach Timbuktu! Also, auf sein Wort würde ich nicht viel geben! Mach nur weiter mit deinen finsteren Racheplänen!

Der Literaturteufel

PS: Intertextualität ist bei uns Literaturdämonen ein Synonym für vieles, nichts davon ist gut. Benutze es also bitte weiterhin so oft...