Dienstag, 20. Oktober 2015

Was läuft falsch in Deutschland?

Zwei 30-jährige Jubiläen gab es dieser Tage zu feiern: Der 30. Geburtstag des 386-Prozessors. Und 30 Jahre Schwarzwaldklinik. Das eine eine technische Revolution, der erste 32-Bit-Prozessor, der noch bis heute die moderne Computerwelt prägt. Das andere eine Revolution der Belanglosigkeit.
  Es darf jetzt jeder mal raten, welches dieser beiden Ereignisse unsere Tageszeitung als erwähnenswert erachtete.

In diesen Tagen, wo vor allem über Flüchtlinge gestritten wird, darüber, ob sie eine Chance darstellen oder eine Bedrohung unserer Kultur, gehen diese kleinen Zeichen allzu leicht unter. Dabei verraten womöglich gerade sie am meisten über die Entwicklung unserer Gesellschaft - denn ich halte das oben genannte Beispiel nicht für einen Zufall in der Berichterstattung, sondern für ein typisches Symptom. Technische Bildung steht  nicht gerade weit oben in der Werteskala - und das ist auf Dauer unglücklich für eine Industrienation, und damit auch eine Bedrohung für all das, was wir an gewohnten Standards bewahren wollen.

Sonntag, 4. Oktober 2015

Stuss beim Datenschutz


Es wäre leichter für Verbraucher und Anbieter, den geforderten Datenschutz ernster zu nehmen, wenn die Umsetzung hierzulande nicht so betont schwachsinnig wäre.
Konkretes Beispiel: Wer hat sie in letzter Zeit nicht gesehen, die mal kleinen, mal größeren Einblendungen, die sich auf allen möglichen Webseiten mehr oder minder aufdringlich ins Bild schieben und dazu auffordern, sie anzuklicken, um das Setzen von Cookies zu bestätigen. Einen praktischen Nutzen haben diese Fenster nicht. Wenn man sie nicht anklickt, funktionieren die Seiten trotzdem – offensichtlich muss man also nicht klicken, um die Cookies freizuschalten. Der einzige Unterschied ist, dass man, solange man nicht klickt, von dieser Aufforderung belästigt wird. Oft so penetrant, dass sich das Fenster über den Text schiebt, den man lesen will.
„Dann klick doch einfach“, will der ein oder andere gedankenlose Internetsurfer vielleicht sagen. Aber so einfach ist das nicht. Ich beispielsweise habe mir konsequent angewöhnt, aufpoppende Fenster nicht anzuklicken. Denn man kann nie sicher sein, was so ein Klick auslöst. Wer weiß schon, ob das Fenster tatsächlich vom Anbieter der Seite kommt, oder ob nicht – sei es durch einen Hack oder ganz einfach über eine normale Werbeschnittstelle – von einem böswilligen Dritten ein Script eingeschleust wurde, dass nur so aussieht wie eine „offizielle“ Nachfrage und das in Wirklichkeit den Userklick benötigt, um Malware zu installieren?
Somit reiht sich die Cookies-Frage unter die Vorfälle ein, in denen von offizieller Seite ein Userverhalten gefordert und provoziert wird, das Sicherheitslücken schafft. Und es sind ganz offensichtlich deutsche Datenschutzbestimmungen und deutsche Datenschutzbeauftragte, die diese Sicherheitslücken im Netz erzeugen.

Also, vielen Dank für diesen Beweis der Nützlichkeit von Datenschutz.

Für diesen neuerlichen Beweis – denn es ist bei Weitem nicht die erste Aktion, die am Sachverstand der Beteiligten zweifeln lässt. Ich denke beispielsweise an die Regeln für private Kameras, die vor allem Kriminelle schützen, aber für den Datenschutz in der Regel so irrelevant sind wie die Cookie-Abfragen.
Meinem Gefühl nach werden im deutschen Datenschutz einfach zu viele Luftblasen produziert, die am Ende niemanden schützen, sondern im Gegenteil echten Schutz aushebeln – die also mehr Schaden als Nutzen anrichten. Und das macht es mir schwer, die Akteure auf diesem Gebiet zu unterstützen. Denn wer will sich schon auf die Seite von weltfremden Eiferern stellen, die nur Murks produzieren, selbst wenn ihre Anliegen in der Theorie edel sind?
Wenn es also heißt, wir brauchen mehr Datenschutz, würde ich dem erst mal zustimmen. Vor allem aber brauchen wir anderen Datenschutz. Und vermutlich andere Datenschützer. Denn die falschen Verbündeten können für eine Sache oft viel schädlicher sein als die Gegner. Solange es so läuft, wie es läuft, wundert mich jedenfalls nicht, wenn die Forderung nach Datenschutz von Industrie und Politik belächelt und vom Verbraucher eher gleichgültig bis genervt aufgenommen wird.

Dienstag, 4. August 2015

Die netzpolitik.org-Affäre

So schnelllebig ist das Internet, dass Beiträge schon mal veraltet sind, bevor sie veröffentlicht werden. So habe ich heute unterwegs einen Blogbeitrag zur Pressekonferenz unseres Generalbundesanwalts verfasst, mit dem Fazit, dass ein angemessener Abschluss der Affäre ohne Ranges Rücktritt mittlerweile eigentlich undenkbar ist. Kaum bin ich zu Hause und will den Beitrag online stellen - da lese ich, dass Range schon entlassen wurde. Kann ich mir also die ganzen feinsinnigen Ausführungen sparen und nutze die neueste Entwicklung gleich für ein Fazit:
  Gut so.

Nicht etwa, weil Range die Arbeit von Journalisten juristisch überprüfen wollte - wenn es bei dem Fall wirklich darum ginge, hätte der Generalbundesanwalt mit seinen Ausführungen sogar recht gehabt. Vielmehr ist Range einfach darum untragbar geworden, weil bei ihm viel zu wenig Sensibilität für die verfassungsrechtlichen Werte erkennbar war, die von seinem Handeln berührt wurden, und weil er immer noch nach Rechtfertigungen suchte, selbst als ihm der Fall längst um die Ohren geflogen war.
  Und, letztendlich, wer braucht einen Bundesanwalt, der in nachgewiesenen Spionageakten ausländischer Mächte nicht ermittelt, dafür aber deutsche Bürgerrechtler wegen Landesverrats verfolgt? Es ist vor allem diese Kombination, die ihn viel schlechter dastehen lässt, als jede einzelne Aktion für sich es könnte.

Die von verschiedenen Seiten vorgebrachte Kritik an Justizminister Maas greift hingegen zu kurz und ist jedenfalls wenig geeignet, um Ranges Position zu stärken: Der Vorwurf der "politischen Einflussnahme" verkennt vollkommen, dass schon die Einleitung des Verfahrens von vornherein eine politische Dimension hatte. Und der Hinweis, dass Maas auch schon früher hätte Stellung beziehen und die ganze Affäre hätte verhindern können, ist zwar nicht ganz falsch. Aber wenigstens hat Maas schließlich gehandelt; der Generalbundesanwalt stünde jetzt besser da, wenn er selbst früher Konsequenzen gezogen und nicht erst gewartet hätte, bis sein Dienstherr die Notbremse zieht.
  Gelegenheiten für einen geordneten Rückzug gab es genug: Viele der speziellen Umstände, die das Verfahren fragwürdig erschienen ließen, kamen erst im Laufe der Zeit ans Licht. Range hätte die Enthüllungen nutzen können, um die Verantwortung an Verfassungsschutzpräsident Maaßen weiterzureichen - mit der Begründung, das Maaßens Anzeige dem Fall zunächst ein größeres Gewicht zugeschrieben hätte, als bei näherer Betrachtung haltbar sei.
  Aber, gut: Wenn es etwas gibt, was Generalbundesanwalt Range in diesem Fall doch noch sympathischer erscheinen lässt, dann wohl der Eindruck, dass er das Spiel mit dem Weiterschieben von Verantwortung einfach nicht so gut beherrscht wie seine Mitakteure auf der Berliner Bühne, die das heiße Eisen letztendlich bei ihm haben liegen lassen.

Dienstag, 28. Juli 2015

50.000 Stunden sind verdammt kurz

Jetzt ist es soweit: Meine erste LED-Glühbirne ist kaputt. Die am meisten genutzte im Wohnzimmer, die jeden Tag zwar meist nur einmal eingeschaltet wurde, dann aber lange brannte. Etwa zwei Jahre lang hat sie das ausgehalten.
  Ich weiß nicht mehr genau, wie viel Lebensdauer der Hersteller für dieses Modell versprochen hat. Aber 50.000 Stunden Betriebsdauer sind ja so ziemlich das Minimum. Wie genau man diese Zeitspanne in zwei Jahre packen kann, ist mir nicht so ganz klar - aber die Firma wird schon ein paar Mathematiker beschäftigen, die mir das erklären könnten.
  Also, kurz gesagt: Von den Haltbarkeits-Versprechen der neuen energiesparenden Lampen bleibt in der Praxis nicht viel übrig. Die "normalen" Energiesparlampen fielen sogar im Monatstakt aus und hielten im Durchschnitt kaum ein Jahr. Ob die Stromersparnis in der kurzen Zeit den höheren Kaufpreis ausgleichen kann, wage ich zu bezweifeln. Ich bezweifle ehrlich gesagt sogar, dass man damit Energie spart. Die Herstellung und der Materialbedarf sind bei den neuen Birnen doch um einiges höher als bei "klassischen" Glühlampen; genau wie der Aufwand für die Müllentsorgung. Und wenn sie dann genauso schnell kaputtgehen ...

Nun, eigentlich will ich nicht motzen. LEDs halten zumindest in etwa ebenso lang wie die alten Glühbirnen. Sie sind sofort hell, wenn ich sie einschalte, sie verlieren nicht so rasch an Leuchtkraft wie die einfachen "Energiesparlampen" und ich muss mir auch keine Sorgen um Quecksilbervergiftungen machen.
  Spötter mögen einwenden, dass damit alles wieder genauso ist, wie es mit den ganz alten Glühbirnen schon war, nur halt zehn- bis zwanzigmal so teuer pro Leuchtmittel. Aber, wie gesagt: mit LED kann ich ganz gut leben. Und es war die erste Birne, die kaputtging - da bleibt die Hoffnung, dass es im Durchschnitt noch besser wird.

Aber ein wenig enttäuscht bin ich nach den hochtrabenden Versprechungen zur Lebensdauer jetzt doch.

Sonntag, 26. Juli 2015

PC schrauben

Linda hat mir irgendwann mal einen Beitrag auf Facebook gezeigt: "Clinton und Bush kandidieren für die Präsidentschaft - Der neue Teil von Jurassic Park steht an der Spitze der Kinocharts - der neue Terminator ist angekündigt ... in welchem Jahrhundert leben wir eigentlich?"
  Wie wahr, wie wahr, kann ich nur sagen. Die 90er sind zurück. Auch in der Computerwelt. Ich erinnere mich noch sehr gut an die Computerei in den 90ern. Beispielsweise an die damaligen Windows-Versionen. Windows war seinerzeit nur eine grafische Oberfläche für DOS, und wenn man mal ein echtes Problem hatte und wirklich ernsthaft was an der Technik einstellen wollte, dann wechselte man auf die Kommandozeile. Ich erinnere mich noch sehr gut an das Erscheinen von Windows XP: Zum ersten Mal konnte ich wirklich alles in den Menüs einstellen, und von Stund habe ich nie wieder eine Befehlszeile eingetippt.
  Bis zum letzten Jahr. Mein erstes Problem mit Windows 8, ich suche im Internet nach Tipps, und die einzig funktionierende Lösung lautete: "Rufen Sie die Kommandozeile auf und tippen Sie ein ..."
  Ja, die 90er Jahre sind in der Tat zurück.

Da ist es nur konsequent, wenn ich einen weiteren Brauch der 90er wiederbelebe und meinen PC selbst zusammenschraube. Das habe ich früher immer gemacht, weil man nur so ein optimales System bekam und auch noch das letzte Quäntchen Leistung aus der Hardware kitzeln konnte.
  So um das Jahr 2000 hatte ich allerdings das erste Mal einen Rechner hier stehen, bei dem ich mir dachte: So, das reicht. Alles läuft perfekt. Schneller muss nicht sein. Und von da an konnte ich mir Fertig-PCs kaufen, weil die auch bei nicht optimaler Konfiguration locker ausreichten, meine Bedürfnisse zu erfüllen.
  Und, ehrlich gesagt: Ich hatte auch so langsam die Schnauze voll von der Bastelei.
  Auf die Gründe, warum ich jetzt doch wieder damit anfange, gehe ich vielleicht noch mal genauer an. Kurz gesagt, ich wollte was ganz spezielles, die Fertiglösungen waren alle so nachlässig zusammengestellt, das locker 25% Prozent Leistung verschenkt wurden, und da sagte ich mir: Das muss nicht sein.
  Also, die perfekt passenden Einzelteile bestellt, gestern angekommen. Und der Zusammenbau begann.

Nach vier Stunden Schrauberei weiß ich jetzt wieder, warum ich damit aufgehört habe. Der Teufel steckt im Detail. So erinnere ich mich beispielsweise gut, dass das Einstecken der RAM-Riegel immer ein wenig heikel war. Auf einer Seite rasten sie ein, auf der anderen Seite wollen sie nicht recht, und zu fest drücken will man ja auch nicht.
  Da war ich froh, als diesmal auf dem Mainboard zwei Hebel pro Speicherstick angeboten wurden, um sie einrasten zu lassen. Der Hersteller bot sogar ein Video an, wie es geht, deutlich sichtbar darin: ein Hebel auf jeder Seite. Auf dem Board tatsächlich vorhanden: nur ein Hebel. Ärgern, andere Videos suchen, feststellen: Der Hersteller hat nur ein Standardvideo für alle Boards, und meins ist offensichtlich das Einzige, das nur einseitig Hebel hat. Also, dieselbe RAMfrickelei wie vor 15 Jahren :-/
  Einbau des Boards im Gehäuse: Ich setze das Board an die Blende für die Anschlüsse, und die Löcher liegen einen halben Zentimeter hinter den Gewinden. Also, wieder raus, gucken, feststellen: Es gibt noch einen zweiten Vorsatz, um die Blende für die Anschlüsse einen halben Zentimeter weiter außen zu montieren. Gesagt getan. Ziemliche Fummelei, passt nicht ganz, ist aber schließlich geschafft. Board wieder rein und ... passt beim besten Willen nicht an die Blende. Blende wieder raus, so eingesetzt wie beim ersten Mal, Board wieder rein ... und plötzlich passt es. Warum???
  Na, egal. Irgendwann war ich endlich fertig. Ich schraube alles zu. Entdecke hinten an den Grafikanschlüssen noch Schutzkappen. Als ich sie testweise abziehen will, bemerke ich: Die Schutzkappen am HDMI-Anschluss ist so beschaffen, dass man sie nach Einbau des Boards nicht abkriegt, weil sich eine rechteckige Kappe nun mal nicht durch eine sechseckige Öffnung ziehen lässt. Darum, das Board noch mal raus, Kappen abziehen, wieder rein ...
  Und so weiter.
  Seufz.
  Also, alles wie früher. Die eigentlich heiklen Aktionen klappen problemblos. Aber dann hält man sich ewig an Kleinigkeiten auf, einfach weil etwas nicht ganz passt, weil die Anleitung nicht stimmt, weil ein Hersteller irgendwo nicht nachgedacht hat. Vermeidbare Verzögerungen.

Wie auch immer. Jetzt bin ich fertig. Im Prinzip. Der Computer läuft allerdings immer noch nicht, schlicht, weil ich feststellen musste, dass mir doch noch ein paar Kabel und Abstandshalter fehlen. Die sind nachbestellt, und in drei Tagen kann ich hoffentlich die letzten Anschlüsse stecken und das Ding endlich testen.
  Und bis dahin meine Rückenschmerzen kurieren.
  Und meine Nostalgie pflegen. Denn an so was erinnere ich mich gut.
  Genauso waren sie, die 90er ...
  Und sie sind wieder da.

Mittwoch, 22. Juli 2015

Wer findet den Fehler?

Ein Beispiel aus dem Leben eines Lektors - heute zu lesen gekriegt:

"Die Blumenwiese bietet einen reich gedeckten Tisch für alle Vögelarten."

Mittwoch, 15. Juli 2015

Die Bahn - Premium Preis, null Service

Seit der Freigabe der Strecken fahre ich bevorzugt Fernbus. Während mit den Bussen ein günstiger Konkurrent eingestiegen ist, hat die Bahn ihre Sonderangebote eher abgebaut. Bis vor kurzem habe ich nie mehr als ca. 120 Euro für eine Hin- und Rückfahrt nach München bezahlt (die Strecke fahre ich mindestens zweimal im Jahr). Seit letztem Jahr habe ich mehrfach versucht, so eine Fahrt zu buchen, und nie weniger als 100 Euro für eine einzelne Fahrt geboten bekommen.
  Sprich, die Bahn muss die Zahl ihrer Sonderangebote (die’s ja immer noch gibt) spürbar verringert haben.
  Für den Fernbus kriege ich problemlos ein Ticket für 10 Euro. Wenn es etwas schneller und komfortabler sein soll, zahle ich auch mal 20 Euro. Mehr als 25 Euro habe ich für ein Ticket nach München noch nie bezahlt. Macht eine Differenz von 150 Euro für Hin- und Rückfahrt. So viel Geld ist die etwas schnellere Fahrt und der größere Komfort bei der Bahn meist doch nicht wert.

Wenn, ja wenn es die schneller Fahrt und den größeren Komfort, den Fahrpläne und Zugbeschaffenheit versprechen, tatsächlich gibt. Da man nicht alle Strecken mit dem Fernbus fahren kann, stelle ich die Bahn diesbezüglich immer wieder auf die Probe. Und zu meinem Schrecken muss ich sagen:
  In diesem Jahr habe ich nicht eine Bahnfahrt erlebt, bei der der Zug auch nur halbwegs fahrplanmäßig ankam, oder überhaupt die Strecke durchfahren konnte, die ich gebucht hatte.
  Bei meinen ersten Fahrten schlug mir regelmäßig der Bahnstreik dazwischen. Als ich jetzt meine Eltern besuchen wollte, war ich also froh, dass wenige Tage vorher die Einigung im Tarifstreik verkündet wurde und der Streik endgültig abgesagt war. Dann müsste jetzt ja alles klappen, dachte ich mir ...
  Pustekuchen!
  Zuerst war es die S-Bahn von München nach Ebersberg, die in Grafing Bahnhof plötzlich nicht mehr weiterfuhr. Die Durchsage war nicht verständlich, und während wir Fahrgäste noch rätselten, was zu tun ist (Die Anzeige am Bahnhof sagte, der Zug fährt weiter nach Ebersberg, eine Durchsage verwies uns auf Gleis 2, der Schaffner am Bahnsteig schickte die Fahrgäste in die entgegengesetzte Richtung), verlor ich meinen Koffer aus den Augen und saß ohne Gepäck im falschen Zug. Den Koffer habe ich wiederbekommen, aber der Stress blieb an mir hängen.
  Auf der Rückfahrt dann die BOB von Bayrischzell nach München. Am Bahnsteig erfuhr ich, dass die Strecke gesperrt ist und ein Schienenersatzverkehr fährt - super, eine Stunde Verspätung. Anschluss verpasst. Doppelt ärgerlich, dass das keine überraschende Unterbrechung war, sondern eine geplante Baustelle, sprich: Bei der Buchung wusste die Bahn schon, dass die Verbindung so nicht fährt. Hätte man mir das angezeigt, hätte ich mich drauf einstellen können. Als registriertem Nutzer hätte die Bahn mir auch noch eine Mail schicken können.
  Tatsächlich musste ich erst zum Bahnsteig gehen, um von einem Hinweis auf dem Bahnsteigschild zurück zum Fahrplan geschickt zu werden (!), wo dann ein Zettel mit den Notfallplänen ging. Die dann noch nicht mal problemlos liefen.
  In Miesbach lenkten uns die Angestellten zielgerecht in den falschen Bus. Hätte ich nicht zufällig durchs Busfenster noch das Busschild am Fahrzeug auf der anderen Straßenseite gesehen, wäre ich sonstwo gelandet. In Deisenhofen war der Anschlusszug nicht ausgeschildert - erst auf der Bahnsteiganzeige erfuhr man, dass der Zug nach München hier abfährt.
  Hat eine Weile gedauert, bis ich alle Bahnsteige und Pläne abgeklappert habe, um überhaupt an der richtigen Stelle zu landen. Schön wäre gewesen, wenn wenigstens der Busfahrer angekündigt hätte, wo man hin muss - wenn Wegweiser am Bahnhof schon zu viel verlangt sind.
  Die ärgerlichen Kleinigkeiten setzten sich fort. Im Zug war die erste Toilette defekt. Also, weiterlaufen in den nächsten Zugteil (kein durchgehender Zug, also Zugteilwechsel nur möglich, solange der Zug am Bahnsteig steht). Im nächsten Zugteil klebte kein Zettel, nur die Leuchtanzeige an der Tür verriet, dass dieses Klo auch defekt ist. Zum Glück stand ein Mitarbeiter herum und wies darauf hin, dass es noch einen dritten Zugteil gibt. Hier funktionierte die Toilette, aber dafür war in diesem Zugteil die Klimaanlage defekt, so dass ich den Rest der Fahrt die Außentemperatur von 29 Grad genießen konnte.
  Also, bei der Bahn funktioniert nicht nur das große Ganze nicht (also die Beförderung zu den gebuchten Orten zu halbwegs verlässlichen Zeiten), es hapert auch am ganzen Drumherum. Und ob Streik, Orkan oder gar keine Störung, es läuft immer gleich schlecht. Genau genommen funktioniert nichts - nicht mal die Anzeige am Bahnsteig (siehe Foto von der letzten Etappe meiner Rückfahrt).

  Und dafür dann der vierfache Fahrpreis wie bei den Mitbewerbern!

Mein Fazit lautet also: Bahnfahren ist was für Reisende, die gern eine zusätzliche Stunde Fahrt hätten, weil sie die Zeit brauchen, um noch einen miesen Blogeintrag über die Bahn zu schreiben - für den sie auch noch ein wenig Inspiration benötigen.
  Wer allerdings in seinem Leben was besseres vorhat, sollte ein anderes Verkehrsmittel wählen.

Samstag, 4. Juli 2015

NPD light ...

... so stirbt die Alternative für Deutschland.

Schade eigentlich. Wie ich hier auf dem Blog schon mal geschrieben habe, hatte die Partei durchaus eine Menge Aussagen formuliert, mit denen ich mich identifizieren konnte. Auch wenn das Personal mich ebenso von Anfang an mit Misstrauen erfüllt hat, ob die Parteiführung die wohlklingenden Anliegen wohl genauso versteht wie ich - oder, wenn es an die Umsetzung geht, nicht doch etwas ganz anderes daraus macht.
  Egal. Wenigstens gerieten ein paar Dinge ins Blickfeld, die bis dahin im Parlament unterrepräsentiert waren, und dass die AfD im günstigsten Fall womöglich eine vernünftige Auseinandersetzung mit diesen Themen erzwingt, selbst wenn sie selbst dazu nicht in der Lage sein sollte, stand zumindest zu hoffen. Denn dass weder der streng wirtschaftsliberale Flügel noch die diffuse rechte Ressentiment-Ansammlung, die vom Kielwasser der Partei angezogen wurde, mit mir auf einer Linie liegen, war mir auch vorher schon klar.
  Im Gegensatz zu den Piraten allerdings, die mir von den Grundwerten der Partei her viel sympathischer sind und mit deren Orientierung als "sozialliberal" ich mich grundsätzlich identifizieren kann, wirkte die AfD wenigstens professionell und diszipliniert genug, um im Politalltag bestehen und etwas bewirken zu können - auf die ein oder andere Weise also eine Alternative zu bieten zu dem, was derzeit ohne weitere demokratische Diskursmöglichkeiten einfach als "alternativlos" verkauft wird, auch wenn es das im Einzelfall keinesfalls ist.

Vorbei.

Wo sich die AfD verortet, hat sich mit der Wahl Petrys ja gezeigt. Und in dem Machtkampf zwischen wirtschaftsliberalem und rechtem Flügel oder womöglich einem dritten, nicht ideologisch, sondern pragmatisch orientiertem Kurs, hat sich die AfD so gründlich selbst zerlegt, wie es selbst dem schlingerndsten Piratenschiff nicht gelungen ist. Ich glaube nicht, dass der rechte Splitter, der von der Partei noch übrig ist, die parlamentarische Bedeutung behalten kann, die sich kurzfristig andeutete. Die AfD bleibt also eine Eintagsfliege, wie der Erfolg der Piraten in den Jahren davor.
  Was ich aber bei den Piraten noch bedauere, kann ich hier nur hoffen. Denn wenn es anders kommt, wenn die "neue", rechte AfD dauerhaft präsent bleibt, wäre es nicht mehr die "Alternative", die man nach den ursprünglichen Forderungen erhoffen konnte. Es wäre nur eine weitere, rechtsnationale Gruppierung, wie sie in vielen europäischen Ländern in den letzten Jahren an Einfluss gewonnen hat. Und die sind eher ein Symptom der Krise und keine Lösung.
  Ob darin nicht auch eine politische Sichtweise zum Ausdruck kommt, die in einem demokratischen Parlament repräsentiert sein sollte? Vielleicht. Vermisst habe ich die Rechtspopulisten im deutschen Parlament in den letzten Jahren allerdings eher nicht. Und zumindest hätte ich für Deutschland eine bessere Alternative gewünscht, als sie dem Wähler damit geboten wird.


Freitag, 3. Juli 2015

Der Computer als Klimaanlage

Zimmertemperatur: jetzt noch 31 Grad. Da habe ich mir doch langsam Sorgen um die Überhitzung meines Rechners gemacht und beschlossen, mal die Systemanzeigen zu checken. Ergebnis: CPU-Core-Temperatur: 18 Grad. Festplattentemperatur: 16 Grad.
  Super. Bisher war nicht bewusst, dass mein Rechner bei Leistungsaufnahme auch kühlen kann. Hurra, ich habe eine Klimaanlage! Da werde ich jetzt erst mal ein fettes Game starten und die CPU-Last in die Höhe treiben. Vielleicht kann der Rechner die Raumtemperatur dann so weit absenken, dass ich heute Nacht vernünftig schlafen kann.

Donnerstag, 2. Juli 2015

Dieser Sommer ist krank

... zumindest hat er erhöhte Temperatur.

Dienstag, 30. Juni 2015

Griechenland kämpft für uns alle

... nur schade, dass so wenige Leute in Deutschland das erkennen. Wenn man es naiv betrachtet, scheint es ja auch ein guter Ansatz zu sein, seinen Wohlstand zu schützen, indem man konsequent sein Portemonnaie zuklappt.
  Aber glaubt der Durchschnittsdeutsche wirklich, dass es ihm nutzt, wenn am Beispiel Griechenland neoliberale Experimente ohne Rücksicht auf europäische Sozialstandards durchexerziert werden, wenn mit einem Federstrich Krankenversicherungen und Renten gestrichen werden können? Wenn staatliche Souveränität, demokratische Entscheidungen und sogar Gerichtsbeschlüsse durch Investoren und Banker überstimmt werden können? Wenn der Zerfall der europäischen Einheit befördert wird und die Kernstaaten der Gemeinschaft immer mehr den Bezug zum europäischen Leitbild verlieren, bis am Ende autoritär bis oligarchisch geprägte Neuzugänge aus Osteuropa darüber bestimmen, welche Werte die Rest-EU verteidigt?
  Und ist es wirklich sinnvoll, innere Krisen in der EU anzuheizen, während man gleichzeitig den äußeren Konflikt mit Russland forciert? Da habe ich schon das Gefühl, dass ein paar Leute den Hals nicht voll kriegen und alles auf einmal wollen, selbst wenn um sie her dabei alles auseinanderfliegt.
  Und ich habe das Gefühl, dass diese Leute entgegen der naiven Stimmungsmalerei in weiten Teilen der deutschen Öffentlichkeit eben vorzugsweise nicht in Griechenland sitzen.

Freitag, 5. Juni 2015

Spiel mit Spinne

Als ich gestern Abend am Rechner saß, bemerkte ich oben rechts am Bildschirm ein neues Icon. Ich dachte schon, das Fenster-schließen-Kreuz wäre irgendwie gekrisselt ... oder ist das etwa ein Fleck auf dem Monitor? Die Umrisse erinnerten fast an eine Spinne ...
  Ich habe also vorsichtig den Cursor in die Ecke bewegt.
  Und es war eine Spinne!
  Sie bewegte sich, schaute den Cursor an, zuckte davor zurück. Ganz langsam konnte ich die schüchterne kleine Spinne mit dem Cursor aus der Ecke herauslocken und quer über den Monitor dirigieren. Sie behielt ihn immer im Auge, drehte sich, wenn ich den Cursor um sie herumbewegte, kam langsam hinterher, wenn der Cursor sich entfernte, und wich vorsichtig aus, wenn ich den Cursor auf sie zubewegte.
  Ein recht eindrucksvoller Beleg dafür, dass Springspinnen so ziemlich dasselbe sehen können, was Menschen auch sehen - und darauf reagieren.

Damit sich jetzt keiner beschwert, wie gemein ich zu dem armen Tierchen war: Natürlich habe ich der Spinne gleich darauf etwas zu trinken gegeben und sie ans Fenster gesetzt, was ja bekanntlich für Springspinnen als erstrebenswerter und einträglicher Aufenthaltsort gilt.
  Trotzdem, als Fazit bleibt: Spinnen können Computerspielen.
  Und ich kann froh sein, dass sie zu klein sind, um mich verärgert zu beißen. So viel Glück hat nicht jeder, wie man im hier verlinkten Video sieht.

Dienstag, 5. Mai 2015

Wie man eine politische Meinung ändert

Ab einem gewissen Alter, so heißt es, ändert man seine Meinungen nicht so schnell und ist recht festgelegt in seinen Überzeugungen. Und ich war stets ein Gegner des Tarifeinheitsgesetzes.
  Es ist ja nicht so, dass der Staat damit nur die Verhältnisse zwischen den Tarifparteien regelt und für faire Verhältnisse sorgt. Stattdessen ergreift er Partei und beschneidet die Tarifautonomie einseitig zu Lasten der Arbeitnehmer. Denn genau wie die Gewerkschaften nutzen auch die Unternehmer jeden Vorteil im Tarifstreit - und sitzen meist am längeren Hebel dabei. Sie verlagern Arbeitsplätze ins weitgehend tarif- und gewerkschaftslose Ausland, wann immer sich die Gelegenheit bietet; sie verlassen die Arbeitgeberverbände und kündigen die Tarifbindung, wann immer sie sich stark genug fühlen, im Alleingang mehr für sich durchzusetzen ...
  Warum also sollte man nur die Arbeitnehmer auf einen allgemeinen Tarif verpflichten und ihnen die Möglichkeit nehmen, mehr rauszuholen, wenn sie mal diejenigen sind, die günstige Kräfteverhältnisse mobilisieren können? Ein ausgewogenes Gesetz zur Tarifeinheiten hätte beide Seiten gleichberechtigt gemaßregelt und alle gleichermaßen an einen Tisch gezwungen: Also neben der Tarifeinheit im Betrieb auch eine Mitgliedschaft der Betriebe im für sie maßgeblichen, führenden Arbeitgeberverband festgelegt, mitsamt der Allgemeinverbindlichkeit der damit ausgehandelten Tarife. So, und nur so, wäre ein Tarifeinheitsgesetz fair und ausgewogen.
  Aber das ist es nicht. Die Unternehmen dürfen weiter nach Belieben Rosinen picken. Die Gewerkschaften sollen sich nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner richten. Damit ist das Gesetz für mich ein klarer, unzulässiger Eingriff in die Tarifautonomie und ein Unding, das schnellstmöglich verschwinden sollte.
  So habe ich die Streiks bei der Bahn immer verteidigt. Selbst wenn sie sachlich nicht angemessene Eskalationen darstellten (und das war schon bei den letzten "Warnstreiks" der Fall!), habe ich die Verantwortung dafür eher bei der Regierung gesehen. Wenn diese mit dem Gesetz zur Tarifeinheit den Ton verschärft, darf sich niemand wundern, dass der Konflikt eskaliert. Die GdL kämpft nicht nur um den nächsten Tarif, sondern muss sich zugleich für das Tarifeinheitsgesetz positionieren - wer kann es ihr also vorwerfen, wenn ihre Streikmaßnahmen allein in Bezug auf den Tarifstreit betrachtet überzogen wirken?
  Das war meine Meinung bis ungefähr Sonntag.

Aber jetzt ist der Bogen überspannt. Der einwöchige aktuelle Streik lässt jede Verhältnismäßigkeit so weit hinter sich, dass meine Stimmung gekippt ist. Fakt ist, ich will nicht mehr auf Seiten der GdL stehen. Ich will nicht mehr auf derselben Seite stehen wie irgendwer, der auch nur ansatzweise gemeinsame Ziele mit der GdL verfolgt. Und ich will eigentlich auch keine wohldurchdachten, theoretischen Argumente zu dem Thema mehr hören.
  Ich will einfach nur noch, dass dieser tarifkämpferische Amoklauf aufhört und für die Zukunft endgültig unterbunden wird. Dafür halte ich inzwischen so ziemlich jeden politischen Preis für angemessen. Ich wünsche mir also, kurz gesagt, dass das Tarifeinheitsgesetz kommt, dass es vor dem Verfassungsgericht Bestand hat und dass - man wird ja noch wünschen dürfen - die GdL im Sommer mehr oder minder aufhört zu existieren.
  Die damit verbundenen Kollateralschäden halte ich für akzeptabel. Wenn es keinen anderen Weg gibt, exzessives und maßloses Ausnutzen der Tarifautonomie zu unterbinden - und davon hat mich die jetzige Streikwoche überzeugt -, dann meinetwegen auch mit so einer einseitigen Holzhammer-Aktion. Besser Tarifeinheit, als wenn es in Zukunft so weiterläuft wie jetzt. Für mich ist ein Punkt erreicht, ab dem sich selbst meine Grundsätze und Überzeugungen bewegen.

Bedanken muss ich mich für die Überzeugungsarbeit bei der GdL. Mit ihrem Kampf gegen das Tarifeinheitsgesetz unter dem Deckmantel eines Tarifkonflikts hat sie dem Kampf gegen das Tarifeinheitsgesetz einen Bärendienst erwiesen. Denn ich weiß sehr gut, dass ich in meinem Bekanntenkreis in den letzten Jahren schon der einzige war, der bei den Bahnstreiks ein wenig weiter gedacht, die Gründe dahinter gesehen und das Vorgehen der Gewerkschaft 
verteidigt hat.
  Wenn selbst ich das jetzt nicht mehr kann, wo soll dann noch ein gesellschaftliches Verständnis und ein Rückhalt für die Anliegen der Gewerkschaft herkommen? Und diese Folge betrifft nicht nur die GdL, sondern die Spartengewerkschaften und die Anliegen der Arbeitnehmer insgesamt.
  In der Presse bekomme ich mit, wie manch einer die nicht mehr zu leugnenden Übertreibungen allein auf den Vorsitzenden der GdL begrenzen möchte. Das lehne ich ab. Alle Gewerkschaftsmitglieder haben die Streikpolitik der GdL per Abstimmung legitimiert. Jedes einzelne Mitglied kann bei jedem Streik seine eigene Entscheidung zur Teilnahme treffen - bei mangelndem Rückhalt müsste die Gewerkschaftsspitze reagieren. Sollte das im Laufe der Woche passieren, ändere ich meine Meinung vielleicht wieder. Immerhin würde das beweisen, dass Gewerkschaften als Organisation doch verantwortungsbewusst mit der Tarifautonomie umgehen, selbst wenn sie nicht dazu gezwungen werden. Im Moment muss ich leider vom Gegenteil ausgehen. 
 
Bis dahin bleibt erst mal als Fazit: politische Anliegen lassen sich nur bedingt "erstreiken". Der Kampf gegen die Tarifeinheit hätte vor allem politisch oder gerichtlich geführt werden müssen; ein wenig Disziplin und Augenmaß beim Arbeitskampf wären der Sache da dienlicher gewesen.
  So, wie die Dinge nun stehen, werden die Richter in Karlsruhe hoffentlich an die derzeitige Streikwoche zurückdenken, wenn sie über die Tarifeinheit zu entscheiden haben. Den Gegnern des Tarifeinheitsgesetzes bleibt eigentlich nur die Hoffnung, dass Karlsruhe rein formaljuristisch entscheidet - denn, wie eingangs gesagt, theoretisch spricht schon einiges gegen das Gesetz, auch wenn die Praxis inzwischen gezeigt hat, dass es ohne wohl nicht geht.
  Wie gesagt, ich zähle heute nicht mehr zu den Gegnern des Gesetzes. Ich hoffe, dass die Richter in Karlsruhe Bodenhaftung zeigen und an den praktischen Nutzen für die Gesamtgesellschaft denken. Und dann muss man eigentlich jede Möglichkeit nutzen, um zu verhindern, dass kleinste Gruppen die Gesamtgesellschaft in Geiselhaft nehmen können - selbst wenn diese Möglichkeiten auch ihre Schwächen haben und man ihnen nicht ohne Magengrummeln zustimmen kann.

Freitag, 17. April 2015

Linux unterm Endoskop

Vor einigen Jahren habe ich mir eine Endoskopkamera gekauft. Als sie neu war, hab ich gern ein wenig damit rumgespielt - aber so richtig praktisch gebraucht habe ich sie nie. Bis heute. Der Fuß der Spülmaschine hatte sich im Bodenbelag verhakt, und nachdem ich vier Stunden lang vergebens versucht habe, das Gerät hervorzuziehen, wollte ich einfach mal nachschauen, wo genau es nun klemmt.
  Das Problem ist: Das Netbook, an dem ich die Kamera früher eingerichtet habe (der einzige Computer, der handlich genug ist, um beim Heimwerken in er Küche damit zu hantieren) war inzwischen auf Linux Mint umgestellt. Die Software und Treiber für die Kamera waren natürlich nicht mehr vorhanden und existieren für Linux auch gar nicht.
  Also dachte ich mir, probieren wir es einfach mal aus: Kamera eingesteckt, VLC Medienplayer gestartet. Das Bild war da. Eine halbe Stunde später war die Spülmaschine frei - es war nicht nur hilfreich, zu sehen, wo ich arbeite. Ich konnte auch deutlich erkennen, dass ich es noch tagelang hätte versuchen können, ohne die Maschine je über das Hindernis oder die Schiene unter die Schraube zu kriegen.
  Das war also mal wirklich ein Problem, das ich ohne die Endoskopkamera nicht hätte lösen können (nicht, ohne den Bodenbelag unter der Spülmaschine komplett zu zerschneiden und in Streifen hervorzuziehen, heißt das). Damit hat sich die Kamera schon mal gelohnt.

Und als Fazit muss ich auch festhalten, wie verblüffend unkompliziert das alles unter Linux funktioniert hat. Hardware ist ja oft ein Problem bei Linux, weil die Hersteller selten Treiber liefern. Das ist sogar einer der beiden Hauptgründe, warum Linux verglichen mit Windows gern als "schwieriger" wahrgenommen wird. Aber offenbar nicht immer: Unter Windows XP habe ich die Kamera damals nicht per Plug & Play ans Laufen bekommen, da musste ich erst die mitgelieferten Treiber installieren.
  Manchmal funktioniert Linux also tatsächlich sogar unkomplizierter als Windows.

Mittwoch, 4. März 2015

Linux Mint Mate

Vor einiger Zeit hatte ich es ja schon geschrieben: Ich wünsche mir seit Langem ein Linux mit funktionierenden multiplen Desktops, war bisher aber immer zu faul für eine Neuinstallation. Nun, letztes Wochenende habe ich mich endlich aufgerafft.

Gründe für die Neuinstallation gab es einige, von den Desktops mal ganz abgesehen. So habe ich vor zwei Jahren, beim Umstieg auf Linux, mit mehreren Versionen des Betriebssystems experimentiert, bevor ich bei einer Variante hängen geblieben bin. Die Spuren dieser Experimente waren immer noch auf meiner Platte, in Form ungenutzter oder fehlerhaft eingerichteter Partitionen. Platz, den ich gerne sinnvoll genutzt hätte. Nur leider gab mir der Grub-Bootloader bei ersten Versuchen der Bereinigung deutlich zu verstehen, dass er jede Veränderung an diesem Wirrwarr nicht gnädig aufnehmen würde.
  Mein aktuelles Linux sah auch nicht viel besser aus und trug die Spuren meiner ersten Experimente mit diesem Betriebssystem. Am deutlichsten fühlbar war eine Fehlermeldung, die seit einer gescheiterten Open-Office-Installation immer wieder mal auftauchte, auch wenn sie sonst ohne Folgen blieb.
  Grund genug also, noch einmal alles neu und sauber aufzusetzen und dabei eine Variante mit guter Desktop-Unterstützung zu wählen. Da aber trotz dieser kleinen Lästigkeiten alles lief, so wie es war, blieb es bei dem frommen Wunsch, und der Elan für Taten fehlte.
  Bis ... ja bis ich Ende letzten Jahres beschloss, meine Datensicherung in die Cloud zu verlagern und mein einziger Windows-Rechner beim Upload der Datenmengen in die Knie ging. Da lag der Gedanke nahe, die Aufgabe vom kleinen Laptop auf den »großen« Desktoprechner zu verlagern. Das Problem dabei: Ich musste mein NAS dazu fest in die Verzeichnisstruktur einbinden. Und bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich es unter Linux noch nicht mal geschafft, alle lokalen Platten bei Programmstart zu mounten.
  Das alles war genug Anreiz, um es noch mal zu probieren, und zwar vorzugsweise mit einem neu installierten System, um alle möglichen Störquellen durch frühere Versuche auszuschließen.

Hier also das Ergebnis: Seit dem Wochenende steht alles. Ich bin wieder zu Linux Mint Mate zurückgekehrt. Der ein oder andere Leser mag sich daran erinnern: Das war das erste Linux, für das ich mich entschieden hatte und das mir sehr gut gefiel - bis mir auffiel, dass ich damit nicht drucken kann. Seit 2014 gibt es eine neue Version, die habe ich als Erstes probiert, und siehe da: Die Entwickler haben die Druckerprobleme in den Griff gekriegt.
  Die komplette Installation dauerte am Ende nur einen Tag, inklusive aller »Sonderprogramme«, die ich so brauche. Jetzt funktioniert alles - und schneller als je zuvor. Meine Platten sind wieder sauber, keine Minipartitionen, die irgendwo rumhängen. Selbst den Bootloader konnte ich ersatzlos rausschmeißen, und es läuft trotzdem alles - Dualboot, wenn ich doch noch mal Win XP brauche, läuft jetzt übers BIOS. Ist aber eh schon seit Monaten nicht mehr vorgekommen.
  Selbst die Kompromisse und »Unrundheiten«, die ich im letzten Jahr noch hinnehmen musste (dass beispielsweise einer meiner Drucker nur über Netzwerk ansprechbar war, aber nicht über USB), gehören der Vergangenheit an. Bei Virtual Box wurde mittlerweile sogar die manuelle Auflösungseinstellung hinzugefügt, die ich für meinen E-Ink-Monitor immer vermisste habe. Man kann also sagen, seit der Neuinstallation läuft es fast zu perfekt.
  Und, ja: Die multiplen Desktops sind auch da und laufen flüssig. Hurra!

Sonntag, 8. Februar 2015

Antwort für Impfgegner

Es gibt ja eine kleine, aber wachsende Gemeinde von Verschwörungstheoretikern, die jede Art von Impfung mit Misstrauen betrachten. Die beste Antwort für diese Leute habe ich jetzt auf einem Blog entdeckt:
  Alles, was man über Impfgegner wissen muss!

Mehr muss man zu dem Thema eigentlich nicht sagen ;-)

Samstag, 7. Februar 2015

Eine gute Idee für Leichlingen

Gestern habe ich bei RP-online etwas gefunden, wovon die Leichlinger Lokalpolitik sich durchaus inspirieren lassen könnte: Der Bürgermeister von Geldern hat im Internet eine Umfrage für ein innerstädtisches Bauprojekt gestartet und gleich 40% der abgegebenen Stimmen von seinem eigenen Pad oder Laptop aus beigesteuert.
  Na, bei dieser Art von Abstimmung ist man als Politiker vor Überraschungen doch hinreichend gut geschützt.

Auch für das umstrittene Leichlinger Stadtpark-Bauprojekt ist ja noch eine Abstimmung geplant. Ich nehme an, in den Sommerferien. Mit Listen, die in einem verschlossenen Aktenschrank im Keller des Rathauses ausliegen. Von zwei Tigern bewacht, oder so.
  Aber das Beispiel aus Geldern könnte Schule machen. Und würde hervorragend zu den Tricksereien passen, die ich bisher beim Leichlinger Stadtparkplanung erleben durfte. Also, eine gute Inspiration genau auf Linie der Lokalpolitik meiner Heimatstadt. Ob unser neuer Bürgermeister einer solchen Versuchung widerstehen kann?

Dienstag, 3. Februar 2015

Schnee - oh weh!

Gerade schaue ich zum Dachfenster raus und sehe Schnee. Das kann nicht sein! Nachdem ich in den letzten Wochen mehrfach n-hundert Meter Bürgersteig und Innenhof räumen musste und zuletzt kaum mehr Zeit hatte, um die Blasen an den Händen heilen zu lassen, habe ich vor zwei Tagen die Notbremse gezogen und das schwere Gerät in Stellung gebracht.
  Also, Schneeketten auf die Kehrmaschine gezogen. Räumschild vorne angebracht. Nach allen Gesetzen der Meteorologie hätte damit der Winter vorbei sein müssen, denn wie man weiß, fällt Schnee nur dann, wenn man nicht vorbereitet ist. Im Vertrauen auf diese uralte Regel hatte ich mich schon bequem zurücklehnen wollen. Von meiner Weckzeit am Morgen habe ich die zusätzlichen Schneeschipp-Stunden schon wieder fortgenommen ... und dann so was :-(
  Auf nix ist mehr Verlass.

Eigentlich - wenn nicht über Nacht alle Naturgesetze umgestoßen wurden - kann das nur zweierlei bedeuten: Entweder ist der Schnee morgen früh schon wieder weg. Oder die Räummaschine ist kaputt, und ich weiß es nur noch nicht.
  Wie auch immer, morgen weiß ich mehr. Ich stell mir schon mal den Wecker, um es rechtzeitig rauszufinden.

Donnerstag, 29. Januar 2015

Wenn ich mich schäme, Deutscher zu sein ...

Mit großem Tara war er angekündigt worden: ein Mottowagen zum Anschlag auf Charlie Hebdo beim Kölner Rosenmontagszug. Das hat mich noch nicht sehr beeindruckt - das Motiv war insgesamt harmlos und so ähnlich schon öfter aufgetaucht. Kann man noch mal bringen, muss man sicher nicht.
  Sehr viel mehr berührt haben mich die Leserbriefe zu diesem Vorhaben in der nächsten Ausgabe der Tageszeitung. Peinlich berührt, um es deutlich zu sagen: Jede Menge Leute haben ihre Sorge ob der Satire geäußert und gemahnt, dass man doch keine weiteren Anschläge provozieren soll.
  Appeasement gegen Terroristen? Sind wir so tief gesunken? Ist unsere Kultur so schwach geworden, dass wir nicht mehr bereit sind, zu unseren fundamentalen Werten zu stehen und dafür auch ein Risiko einzugehen? Zumal jedem halbwegs denkenden Menschen klar sein sollte, dass man damit nichts erreicht. Appeasement hat gegen Fanatiker noch nie funktioniert.
  Zurückweichen verhindert keine Anschläge. Es führt nur dazu, dass man Schritt um Schritt immer weiter zurückweichen muss. Denn je mehr Angst alle haben und je weniger man sich zu sagen traut, umso weiter schrauben auch die Terroristen ihre Maßstäbe zurück für das, was ihnen als Rechtfertigung für ihre Taten ausreicht. Ganz einfach deswegen, weil die Tat nicht deswegen begangen wird, weil ein Dritter sie "provoziert" hat - sondern weil die Täter die Tat begehen wollen.
  Gründe finden sich dann immer.

Jetzt lese ich gerade, dass das Festkommitee den Wagen tatsächlich wieder gestrichen hat. Was einer der Augenblicke ist, wo ich mich schäme, ein Deutscher zu sein. Wie gesagt, man hätte den Wagen nicht bringen müssen - es gehört ja zur Meinungsfreiheit und zu den Werten unserer Kultur, dass man kein Statement zu allem abgeben muss. Aber wenn man es schon tut, wenn man etwas sagen will, dann sollte man nicht wieder einknicken.
  Denn auch das ist eine Botschaft. Eine Botschaft im übrigen, die weitere Anschläge provoziert - denn was sollte Fanatiker mehr anstacheln als ein Erfolg? Was könnte Terroristen eine größere Bestätigung geben als die Rückmeldung, dass sie tatsächlich Angst und Schrecken verbreiten? Das ist ein Beispiel von Schwäche, das mir jedenfalls deutlich mehr Sorgen bereitet als ein mäßig bissiger Mottowagen im Rosenmontagszug.

Donnerstag, 22. Januar 2015

Agenturwechsel

Die Verträge sind unterschrieben, jetzt ist es offiziell: Seit dem 15. Januar werde ich von der Literaturagentur Schlück vertreten. Das war ein erfreulich reibungsloser Übergang nach der Auflösung meiner alten Agentur, denn Schlück übernimmt auch nahtlos die Betreuung der Altverträge mit.
  Ein wenig Wehmut bleibt natürlich trotzdem nach der langjährigen Zusammenarbeit mit Schmidt & Abrahams, und ich hoffe mal, dass ich auch in Zukunft noch mal mit Julia und Natalja zusammenarbeiten werde. Solange sie in der Branche bleiben, ist das ja nicht unwahrscheinlich ...

Jetzt wird also alles neu zum neuen Jahr. Nicht nur wegen des Agenturwechsels, sondern auch, weil ohnehin ein paar weitere neue Projekte anstehen. Angestoßen noch im letzten Jahr, werde ich sie nun also mit neuem Agenten weiter verfolgen.
  Ich bin schon gespannt, was diese Zusammenarbeit im Laufe des Jahres alles eröffnet.

Dienstag, 20. Januar 2015

Kulturschock der Woche

Den bekam ich gestern, als ich auf rp-online den folgenden Satz zur Absage der Demonstrationen in Leipzig nach Anschlagsdrohungen las: "Bei der Abwägung zwischen freier Meinungsäußerung und öffentlicher Sicherheit muss die Gefahrenabwehr absoluten Vorrang haben."
  Ja holla! Da musste ich gleich draufklicken und genauer nachlesen, weil ich nicht glauben konnte, was da stand. Hat da tatsächlich ein Journalist auf der Webseite einer etablierten Zeitung eine Aussage getroffen, die sinngemäß in etwa einem apodiktischen "Bei der Abwägung zwischen Freiheit und Sicherheit muss immer zugunsten der Sicherheit entschieden werden" entspricht?
  Das ist, wohlgemerkt, nicht einfach nur eine weitere zulässige Meinung im aktuellen Diskurs. Jedem, der auch nur über mindere Kenntnisse in der Geschichte politischer Ideen und Philosophien verfügt, sollte klar sein, dass diese Aussage in ihrer absoluten Form einer Forderung nach der Abschaffung unserer freiheitlichen demokratischen Werteordnung gleichkommt. Es ist also ein Statement, das mit dem Anspruch der Presse als "Wächter der Demokratie" grundsätzlich nicht vereinbar ist.

Nun gehe ich mal davon aus, dass das so nicht gemeint war. Zugunsten des Schreibers will ich mal unterstellen, dass er einfach nicht zuende gedacht hat, was er da eigentlich schreibt. Dass er in Wahrheit nur eine Aussage zu diesem speziellen Einzelfall treffen wollte und diese im Überschwang der Gefühle einfach als allgemeingültigen Lehrsatz formuliert hat.
  Ich halte es sogar für sehr gut möglich, dass dem Autor einfach der Hintergrund fehlte, um überhaupt zu beurteilen, was er da schreibt - das, was früher mal als "humanistische Bildung" bezeichnet wurde, die geisteswissenschaftlichen Grundlagen, die nötig wären, um die Begrifflichkeiten zu verorten und überhaupt zu wissen, was für eine lange philosphische Vorgeschichte an dem Diskurs dranhängt und in welche Richtungen das Thema bereits ausgelotet wurde, was für Folgen und Entwicklungen und ideologische Hintergründe da jeweils mit verbunden sind ... all das lässt sich heutzutage ja nicht mehr bei jedem Zeitungsschreiber voraussetzen.
  So wenig im Übrigen wie sprachliche Kompetenz. Vielleicht wollte der Autor die "Gefahrenabwehr" nicht allgemein, sondern nur ganz speziell verstanden wissen und hatte nur keine Ahnung, wie er seine Aussage in dieser Hinsicht allgemeinverständlich präzisieren kann. Als Schlussredakteur habe ich das ja mitunter schon erlebt - dass man den Autor auf einen Mangel aufmerksam macht, und dann zu hören bekommt: "Aber eigentlich wollte ich damit nur sagen ...", oder: "Damit meine ich nur ..."
  Was soll man darauf antworten, außer: "Wenn du das meinst oder sagen willst, warum schreibst du es dann nicht so hin?"
  Ich bin also bereit, das nicht als ernsthaft durchdachte Meinung zu werten, sondern mehr als spontanen Ausruf, irgendwo zwischen bewusster Übertreibung, gedankenloser Verallgemeinerung und blanker Ahnungslosigkeit angesiedelt.

Trotzdem markiert es einen Tiefpunkt im Rahmen eines Pressewesens, das immer noch den "Qualitätsgedanken" als Argument für die eigene Bedeutung anführt. Und ich muss in aller Deutlichkeit sagen: Der Tag, an dem ich so eine Aussage von einem Journalisten geschrieben im politischen Teil einer Zeitung oder im Umfeld der Leitartikel lese, ist der Tag, an dem ich zu dem Schluss kommen werde, dass Zeitungen jetzt komplett überflüssig geworden sind.
  Zum Glück habe ich den Satz aber nur in einem Kommentar auf der Webseite dieser Zeitung gefunden und kann noch hoffen, dass diese Kurzschluss-Schreibe es nicht in die gedruckte Ausgabe geschafft hat. Oder allenfalls in die Leserbriefspalte des Lokalteils, oder so was.
  Die Hoffnung auf den Qualitätsvorsprung des gedruckten Wortes stirbt bekanntlich zuletzt.
 

Mittwoch, 14. Januar 2015

Brizzel!

Gestern Abend wollte ich ein Fladenbrot zum Abendessen auftoasten. Ich schiebe es in den Toaster, ein Knall, Funkenflug - und ich stehe im Dunkeln. Dann wurde es hektisch, denn die Sicherung wollte sich nicht wieder reinschieben lassen. Und während der ganzen Zeit war zwar das Licht in der Wohnung weg, aber der Herd kochte munter weiter und verlangte meine Aufmerksamkeit, während ich nach und nach einen Verbraucher nach dem anderen vom Netz trennte und zum Sicherungskasten lief ...

Wie auch immer, nachdem ich nicht mehr weiter wusste und eine Weile gar nichts tat, klappte es beim nächsten Versuch plötzlich. Licht war wieder da ... Warum die ersten paar Anläufe nicht klappen wollten, bleibt ungeklärt. Jetzt muss nur ein neuer Toaster her.
  Nach kaum fünfzehn Jahren kann man da wohl von einem klaren Fall geplanter Obsoleszens sprechen! ;-)

Freitag, 2. Januar 2015

Herzlich willkommen, 2015!

Das letzte Jahr fing schon schlecht an, mit gesundheitlichen Problemen in der Familie. Viel besser ging es dann auch nicht weiter - im ersten Halbjahr hatte ich so viel zu tun, dass ich nur hektisch hinter allen Terminen herhecheln konnte. Dementsprechend (Stress schlägt ja bekanntlich auf die Datenspeicherung im Gehirn) habe ich an die ersten sieben Monate von 2014 nur sehr nebelhafte Erinnerungen - man könnte fast sagen, das halbe Jahr fehlt mir komplett.
  Als es dann ruhiger wurde, fühlte ich mich ausgebrannt und brauchte ein paar Monate, um mich davon zu erholen. Und dann, zum Jahresende, folgte eine Umwälzung nach der anderen. Erst der überraschende Tod von Stefan Lübbe, dem Verleger, dessen Unternehmen ich als Gutachter, Übersetzer, Bearbeiter und auch als Autor seit insgesamt 15 Jahren verbunden bin. Das war ein Schock, mit dem vermutlich niemand gerechnet hätte, auch wenn sich die praktischen Auswirkungen wohl erst langfristig zeigen werden.
  Kaum konnte man diese Nachricht sacken lassen, da folgte die nächste: Der Lektor, mit dem ich in den letzten Jahren hauptsächlich zusammengearbeitet habe, wollte zum Jahreswechsel den Verlag wechseln. Alles ändert sich. Und dann, zuletzt, die Nachricht, dass meine Agentur gleichfalls aufgelöst wird.

Kurz gesagt: Langsam reichte es, und ich war nicht traurig, dass 2014 zu Ende ist.

Was 2015 bringt, muss sich erst noch zeigen. Es ist ja alles in Bewegung derzeit. Ich will nicht sagen, es kann nur besser werden als das Vorjahr - aber ich hoffe das doch sehr. Denn zu genannten Dingen kamen noch ein paar andere unerfreuliche Begebenheiten. Die letzte schlechte Nachricht - dass sich nämlich die Gastgeber unserer geplanten Sylvesterfeier krank gemeldet haben und die Feier ausfiel - konnte mich jedenfalls kaum noch erschüttern. 2014 hatte sich so viel angesammelt, dass es vielleicht ganz gut war, mal vor der eigenen Haustür zu knallen und die bösen Geister zu vertreiben.
  Das jedenfalls haben wir reichlich getan, und ich hoffe mal, mit Erfolg.
  Ich wünsche jedenfalls allen, ob sie nun auch über 2014 zu motzen haben oder nicht, ein schönes neues Jahr. Und ich wünsche auf jeden Fall, dass 2015 ein besseres Jahr wird als das letzte.