Dienstag, 28. August 2018

Linux - Top und Flop

Als ich bei meiner letzten Linux-Installation im Netz etwas gesucht habe, stieß ich auf das Statement: "Seit die Usability des Linux-Desktop um 2014 ihren Höhepunkt erreicht hat, geht es stetig wieder bergab ..." Und ich muss sagen, auch wenn ich die dort vorgebrachten Gründe nicht alle unterstreichen würde, bin ich doch fast geneigt, der Kernaussage zuzustimmen. 2014 war in etwa der Zeitpunkt meines Linux-Einstiegs, und ich war insgesamt recht begeistert. Dann habe ich 2016 die neu erschienen LTS ausprobiert und mich gegen einen Wechsel entschieden, weil da einfach mehr Probleme auftauchten (nicht zuletzt durch den Wechsel der Grafiktreiber-Politik bei AMD) und ich nicht den Komfort vorfand, den ich von meinen 2014er-Linux-Varianten gewohnt war.
  Inzwischen ist 2018, und die LTS von 2014 laufen aus. Sprich, ich muss langsam upgraden, und ich bin nicht gerade begeistert. Trotz durchaus vorhandener Verbesserungen in Teilbereichen gibt es einfach zu viele Dinge, die nicht ganz rund laufen. Die vor allem nicht so rund laufen wie noch vor vier Jahren. Namentlich will ich da Linux Mint nennen, die Distribution, bei der ich vor vier Jahren hängen blieb, weil einfach alles out of the box am besten und in all den Jahren ungebrochen stabil lief.
  No more.
  Diesmal war einfach jede Menge Kleinkram nachzubessern. Dinge funktionierten nicht, und ich war mitunter stundenlang beschäftigt, um überhaupt nur rauszufinden, warum - Dinge wohlgemerkt, die 2014 nie ein Problem waren. Und Probleme, für die ich in all den Jahren Lösungen gefunden hatte, mussten plötzlich komplett neu angegangen werden, weil die Lösungen auch nicht mehr liefen. Wohlgemerkt, es ist nicht alles schlecht - die Druckereinrichtung beispielsweise lief diesmal komplett automatisch, und das für Geräte, die vor vier Jahren noch echt Mühe gemacht haben. Trotzdem, unterm Strich fällt die Bilanz negativ aus. Bis das ganze Mint-System so funktionierte, wie es soll, hat es zwei Wochen gedauert - und das, wo ich es immer als Hauptvorteil von Linux erachtet habe, das genau das im Gegensatz zu Windows nicht nötig ist; dass man in einem Nachmittag eine Neuinstallation stehen hat, bei der zumindest alles, was man wirklich braucht, läuft und zur Verfügung steht.
  Aber, siehe oben: No more :-(.
  Als bedeutsamstes Beispiel will ich mal Wine herausgreifen. 2014 war es von Anfang an dabei, und somit ließ sich auch gleich jedes Windows-Programm starten - und lief dann so gut, wie es unter Wine halt funktioniert. Diesmal war Wine bei der Grundinstallation nicht dabei, und was eine .exe ist, wusste das System nicht. Schlimmer noch: Die bei Mint in den Repositories mitgelieferte Wine-Variante funktionierte auch nicht. Und die bei Wine-HQ für Mint 19 zu findende Installationsanweisung klappte genauso wenig. Erst als ich, nach einigem Rumprobieren, auf die Idee kam, der Anleitung für Mint 18 zu folgen, fand Wine schließlich seinen Weg auf meinen Rechner - und läuft seitdem besser als 2014, denn Wine selbst ist in der Zwischenzeit tatsächlich besser geworden. Aber bis es überhaupt lief, hat es mich volle zwei Tage Probieren und Ursachenforschung gekostet. Für eine Sache, die 2014 vorinstalliert funktionierte!
  Gerade für ein System, das sich an Einsteiger und Windwos-Umsteiger richtet, ist das eigentlich schon ein Todesstoß. Denn diese Zielgruppe braucht besonders den Zugriff auf Windows-Applikationen, und sie ist am wenigsten in der Lage, sich so durch die Technik durchzufummeln, dass sie diese ans Laufen kriegt. So, wie die Dinge liegen, kann ich Linux Mint also derzeit nicht mehr als unkompliziertes Einsteiger-System empfehlen - zumal Wine zwar das prominenteste, aber bei Weitem nicht das einzige Problem darstellt. Die kleinen und größeren Schwierigkeiten ziehen sich über die Anbindung des NAS, die Desktop-Einrichtung, die Installation einschließlich Backup-Einstellungen und und ...
  Nun ja, inzwischen läuft bei mir alles. Und das sogar sehr gut ... Nur der Stabilität trau ich nicht ganz, seitdem ich feststellen musste, dass das Datum-und-Uhrzeitapplet sich regelmäßig verabschiedet. Probleme mit Dock und Applets waren auch das erste, was ich seinerzeit bei Zorin an Instabilitäten festgestellt hatte, und damals hat sich das als erstes Indiz auf ein System erwiesen, das zwar für den Augenblick toll läuft, aber eben nicht verlässlich für eine längere Zeitspanne so bleibt. Aber, gut - erst mal bin ich mit dem Probieren durch und behalte das Mint, solange es funktioniert.
  Aber beim nächsten Mal, sobald das nötig wird, werde ich mich eher bei einer anderen Distro umsehen. Und bin mir auch nicht ganz sicher, ob das die Ubuntu-Familie bleiben wird, weil ich zumindest bei einem Teil der Probleme das Gefühl hatte, dass sie von der Ubuntu-Basis vererbt werden.

So viel zu den Flops. Aber ich wollte ja auch Tops vermelden.
  Die habe ich für mein uraltes Netbook gefunden. Da lief bisher eine Debian-Variante, und seit dem letzten Urlaub war ich nicht mehr so glücklich damit. Es war alles so langsam geworden, dass es einfach nur noch ärgerlich war, auch nur eine Webseite zu öffnen.
  Also dachte ich mir, ich setze das Netbook ein wenig kleiner. Ich habe es also mit Puppy-Linux versucht, mit Slacko-Puppy und WattOS. Aber irgendwas ist ja immer - in dem Fall Probleme und Instabilitäten und Einschränkungen der Usability, die den Spaß am kleineren und schnelleren System rasch zunichte machten. WattOS fing erst stark an und ließ dann stark nach, spricht, es sah so gut aus, dass ich es installiert habe, aber nach ein paar Stunden war die Installation schon so kaputt, dass ich gar nicht wissen wollte, wie das nach ein paar Jahren wird; und bei Puppy war's umgekehrt - das fing gleich mit nicht erkannter Wlan-Karte an, und bei dem Versuch, die nachzuinstallieren, stieß ich auf so viele unrund laufende Bestandteile, dass das System gar nicht erst bis zur Installation gekommen ist.
  Und dann bin ich noch eine Stufe runtergegangen, zur abgespeckten WattOS-Variante "Microwatt". Die ist so klein, dass nicht mal eine Desktopoberfläche mitkommt, sondern nur ein Fenstermanager. Und ich muss sagen, wow! :-O Ich war beindruckt, als ausgerechnet bei meinem Dauer-Problemkind Firefox Webseiten auf dem Netbook sogar schneller luden als bei meinem laut Benchmarks ca. 20mal so schnellem Desktop-PC. Keine Ahnung, wie das möglich ist. Aber mit einem Mal fühlt sich das Netbook überhaupt nicht mehr zu langsam zum Arbeiten an. Und wie ich festgestellt habe, vermisst man den Desktop auch nicht wirklich - auf dem kleinen Netbook-Screen lässt man eh immer alles im Vollbild laufen, und wenn man dann jedes Programm auf einer eigenen der bis zu 10 Arbeitsflächen hält, ist auch komfortables Multitasking kein Problem. Inzwischen hab ich alle Software, die ich zum Arbeiten brauche, unter MicroWatt nachinstalliert, und es läuft Top - und es funktioniert auch der ganze Kleinkram wie Netzwerk ohne große Installiererei oder Einstellerei out of the box. Da spricht eigentlich nichts mehr dagegen, dass das Netbook mich auch die nächsten 10 Jahre noch als robustes Arbeitstier auf Reisen begleitet.
  Also, ganz klar: Top!

Einziger Wermutstropfen: MicroWatt 10 ist auch nicht mehr die neuste Variante. Der Nachfolger ist schon seit einer Weile angekündigt und könnte jeden Moment erscheinen. Ich habe mich dagegen entschieden, darauf zu warten. Und, wer weiß, vielleicht ist beim Nachfolger die Herrlichkeit ja schon vorbei? Denn, wie Eingangs festgestellt und selbst erfahren - es gibt keine Garantie, dass neu auch immer besser ist; und dementsprechend sollte man das Gute mitnehmen, das man kriegen kann.
 

Freitag, 1. Dezember 2017

Mein Ärger mit Windows 10

Oft genug habe ich erwähnt, dass ich eigentlich keine 10 Minuten vor einem neuen Windows-System sitzen kann, ohne mich zu ärgern. Wenn man mich allerdings nach einem
Beispiel fragt, fällt mir meist nichts ein - meist entzündet sich der Ärger an überflüssigen Kleinigkeiten, die viel Zeit kosten, deren konkreten Anlass und Ablauf ich aber genauso schnell vergesse, wenn’s vorbei ist. Nur der Ärger bleibt.
  Also habe ich mir gedacht, ich halte den letzten Fall hier mal fest, bevor er sich in meinem Gedächtnis wieder auflöst und ich in der nächsten Diskussion wieder nur die unbefriedigende Auskunft geben kann, dass ich Windows 10 schlecht finde und es einfach nicht rund läuft.

An unserem Beamer haben wir einen Windows-10-NUC angeschlossen - Windows 10 gab’s halt umsonst dazu und ich dachte mir, den Rechner will ich eh nur als Smart-TV-nutzen, um Filme zu schauen. Also ist das Betriebssystem doch egal und ich kann alles so lassen, wie es ist, ohne mir zusätzliche Arbeit zu machen ... oder?
  Nun, seit gestern bereue ich die Entscheidung.
  Das Ganze fing damit an, dass Windows 10 nach dem Filmgucken ein Update installieren wollte. So weit erst mal nicht tragisch - leider war es ein »großes« Update, und nach 10 Minuten stand es weiterhin bei 0 %. Da beschloss ich, dass ich den Beamer nicht so lange laufen lassen will, und hab ihn ausgeschaltet. Der Computer kann sein Update ja auch allein installieren.
  Vier Stunden später war er immer noch an, und eigentlich wollte ich ihn nicht dauerhaft laufen lassen. Allerdings wusste ich nicht, ob das Update fertig ist, und mitten im Prozess den Strom abziehen, war mir zu heikel. Leinwand wieder aufstellen, Beamer anschalten, nur um den Rechner runterzufahren - das war mir jedoch auch zu aufwendig.
  Zum Glück hatte ich ein hinreichend langes HDMI-Kabel bis zum Fernseher. Und damit fing es dann an, richtig ärgerlich zu werden.

Auf dem Fernseher war zwar ein Bild zu sehen, aber nur ein sekundärer Bildschirm - weder ein Button zum Runterfahren, noch konnte man sehen, ob auf dem Desktop irgendeine Meldung steht, die man beachten muss. Kein Problem, das kenne ich auch unter Linux, wenn man einen zweiten Bildschirm anschließt: Schnell mit der rechten Maustaste die Monitoreinstellungen geöffnet, um die Ausgabe auf den einzigen eingeschalteten Bildschirm zu lenken ... Und nichts passiert.
  Noch mal die Monitoreinstellungen aufgerufen ... Immer noch nichts. Da dämmerte mir langsam, was da geschieht: Windows 10 macht die Fenster automatisch auf dem Hauptbildschirm auf. Den ich nicht sehen kann - das war ja gerade das Problem, das ich mit Hilfe des Fensters beheben sollte.
  Und, sorry, hier muss ich derb werden: Was für eine schwachsinnige Entscheidung ist das, neue Fenster nicht da zu öffnen, wo der Nutzer gerade arbeitet? Wie oft kommt es wohl vor, dass der Nutzer auf einem Monitor irgendwas öffnet und das Ergebnis auf dem anderen sehen will? Dass er irgendwo anders arbeitet und nicht da, wo er er mit dem Cursor steht? Der Entwickler, der sich das als Standard hat einfallen lassen, hat sich nicht nur das Gehirn weggesoffen. Er hat anschließend noch die Wodkaflasche zerbrochen und sich mit den Scherben die Überreste seiner grauen Zellen aus dem Schädel gekratzt >:-(.
  Wie auch immer, durch diese gestalterische Entscheidung hat der verantwortliche Microsoft-Programmierer jedenfalls dafür gesorgt, dass aus »mal kurz nachgucken« eine längere Aktion wurde. Damit ich auf dem Fernseher was sah, musste ich erst mal das Kabel zum Beamer rausziehen und den Fernseher zum einzigen Ausgabegerät machen. Leider ist das Kabel nicht gerade leicht zugänglich, weil der Rechner irgendwo hinter den Medien steht. Als ich dann auf die Programmfunktionen Zugriff hatte, brauchte ich noch mal mehrere Anläufe, um die Monitoreinstellungen abzuschließen - weil der Mauszeiger plötzlich einen Lag hatte, und wann immer ich etwas Falsches klickte, musste ich erst mal eine auf der anderen Seite des Bildschirms erscheinende Fehlermeldung wegklicken, ehe ich fortfahren durfte (danke, Microsoft, dass diese Fehlermeldung sich nicht über die üblichen Tastatur-Shortcuts schließen ließ).
  Wo ich schon mal dabei war, wollte ich den Multi-Monitor-Betrieb auf »gespiegelten Desktop« stellen, damit ich denselben Ärger nicht nochmal habe (ich könnte zwar schwören, dass ich genau das schon eingestellt hatte, bevor ich den Rechner nach hinten geschoben habe, und dass diese Einstellung nicht gespeichert wurde - aber geben wir Windows 10 mal den »Benefit of Doubt«). Leider musste ich feststellen, dass man den Multi-Monitor-Betrieb nicht konfigurieren kann, bevor man den zweiten Bildschirm anschließt, sondern nur dann, wenn bereits zwei Monitore angeschlossen sind ... sprich, wenn man bei ungünstiger Konfiguration gar nichts sieht.
  Vielen Dank, Microsoft, auch für die Einstellungs-Entscheidung :-(.
  Also, unverrichteter Dinge den Rechner runtergefahren (immerhin war das Update fertig - wie ich durch ein Infofenster erfuhr, das sich während meiner Arbeiten quer über alle anderen Fenster öffnete und erst mal zwei Minuten den Rechner einfrieren ließ, bevor es mich fragte, ob ich mehr über das »Fall Creators Update« erfahren will [oder wie auch immer das genau hieß - ich war zu dem Zeitpunkt nicht sehr aufnahmefähig, sondern wild am Fluchen, weil das System so lange auf keine meiner Eingaben reagiert hatte, ohne dass zunächst ein Grund ersichtlich war. Ist ja offenbar wahnsinnig aufwendig, so ein Infofenster einzublenden]). Danach konnte ich dann wieder das VGA-Kabel zum Beamer reinfummeln.
  Und habe insgesamt keine halbe Stunde gebraucht, nur um »mal eben schnell« den Computer auszumachen.

Also, das war der Windows-10-Ärger des gestrigen Tages. Alles in allem eine Kleinigkeit. Aber eben sinnloser Stress und Zeitverschwendung, die nur durch ein paar unglücklich programmierte Mechanismen des Betriebssystems verursacht wurden. Kann passieren, war ja auch eine sehr spezielle Situation - mein Problem dabei ist nur, irgendetwas in der Art passiert mir regelmäßig mit Windows 10, in egal welcher Situation.
  Ich setze mich hin, um mal eben schnell was Harmloses zu machen. Und dann stelle ich fest, was nicht läuft und wie schwer man es einem dabei machen kann, das zu beheben. Und das passiert mir nur bei den neueren Windows-Versionen - je neuer, desto häufiger. Ich bin also mittlerweile nicht mehr bereit, das wirklich auf die »Umstände« zu schieben oder es für einen Zufall zu halten. Tatsache ist, Windows ist entweder scheiße programmiert von der Anwendbarkeit, oder die Denkweise der Produktdesigner läuft völlig verquer zu meiner eigenen, zu meiner Arbeitsweise und meiner Systembeschaffenheit.
  Was auch immer der Grund ist, für mich ist das einfach unbenutzbar. Und inzwischen überlege ich mir, ob ich nicht auch auf diesem Media-Computer lieber Linux installieren sollte - auf einem System, wo ich eh nur einen Browser zum Streamen oder einen Mediaplayer aufrufe und mit dem Betriebssystem so gut wie gar nicht in Berührung komme.
  Selbst das ist bei Windows 10 schon zu viel, wie mir langsam dämmert.

Mittwoch, 29. November 2017

2 Tage nach dem Unfall von Spinne und Bademantel

Irgendwas hat die Spinne im Bad erschreckt,
weil sie sich ganz nah an ihrer Dose versteckt.
Lag es vielleicht an dem Frottee-Ding,
das heut wieder dräuend über dem Netze hing?
Wir großen Geschöpfe können nur raten,
was bewegt einen solchen Nicht-Vertebraten.

Donnerstag, 3. August 2017

Von Phobien und Therapien

Es gibt Leute, die haben Angst vor Spinnen. Die große schwarze Spinne auf unserer Kellertreppe hat Angst vor Kartons.
  Jede Nacht kommt sie aus ihrem Versteck heraus und sitzt in ihrem Netz. Anfangs ist sie immer geflüchtet, wenn ich die Kellertreppe langkam. Inzwischen beeindruckt sie das nicht mehr. Nur wenn ich einen Karton in den Keller trage oder aus dem Keller heraufhole, dann kann ich sie laufen sehen - schwupp, verschwindet sie in ihrem Winkel.
  Keine Ahnung, woher die Angst vor Pappkartons kommt. Aber es funktioniert immer. Ich gehe an der Spinne vorbei - nichts passiert. Ich gehe mit einem Pappkarton in der Hand an der Spinne vorbei - Panik bricht aus!

Es gibt Leute, die bekämpfen die Spinnen in ihrem Haus. Andere kämpfen gegen ihre Spinnenphobie an. Ich habe mir jetzt das Ziel gesetzt, meine Kellerspinne von ihrer Päckchen-Phobie zu kurieren. Also bringe ich Kartons bevorzugt nachts in den Keller, oder hole sie von dort für die Altpapiertonne wieder hervor.
  Mal sehen, wie lange es dauert, bis die Spinne sich auch daran gewöhnt hat.

Gestern allerdings haben meine Bemühungen einen schweren Rückschlag erlitten. Ich habe einen Karton aus der Wohnung getragen und mich übel daran geschnitten. Erst dachte ich, der Karton wäre feucht gewesen. Und klebrig. Als ich eine halbe Minute Später ins Bad ging, um mir die Hände zu waschen, stellte ich fest, dass die ganze Hand nass und rot war, als hätte ich sie in einen Eimer Blut getaucht. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass ein einfacher Papercut (ca. 3cm lang) derart bluten kann ... :-(
  Seitdem, ich schwör's, kann ich die Spinne im Keller grinsen sehen, wenn ich vorbeikomme. Dieses »Hab ich's doch gleich gesagt ... dass Kartons gefährlich sind«-Grinsen. Das hört keiner gern, vor allem nicht von so einem achtbeinigen Besserwisser.
  Na, egal ... Nur weil sie recht behalten hat, heißt das ja nicht, dass die Pappkarton-Furcht dieser Spinne nicht trotzdem eine paranoide Phobie darstellt. Also trag ich weiter die Kartons an ihr vorbei, tu so, als wär nichts passiert und warte darauf, dass sie bei dem Anblick nicht mehr abhaut.
  Und der Schnitt am Daumen bleibt sicher unter einem Pflaster verborgen.

Mittwoch, 2. August 2017

Prinzip Philip geht in Rente ...

Schade. Ich mochte ihn. Vielmehr, vor allem seine Sprüche. Genau mein Humor - wenn es denn humorvoll gemeint gewesen war. Egal. Hat er nicht im Großen und Ganzen immer genau das gesagt, was die meisten Leute gedacht hätten, was aber überlegtere und höfliche Menschen einfach nicht laut aussprechen würden?
  Und im Gegensatz zu den heute üblichen groben Gesellen, die ohne Rücksicht auf Verluste alles laut rauspoltern, was man eigentlich nicht sagen sollte, hat Philip das immer mit der nötigen Leichtigkeit und dem Charme gesagt, die nötig sind, damit man darüber lachen kann und es einem nicht vor Entsetzen und peinlicher Berührtheit die Sprache verschlägt.

Also, ich mochte ihn. Ohne öffentliche Auftritte wird er jedenfalls weniger Gelegenheiten haben, seine berühmten Einzeiler rauszuhauen. Das werde ich vermissen.

Dienstag, 1. August 2017

Das »Postfaktische Zeitalter« fing mit PC an

Gestern in der Redaktion las ich vom »Handicap-Sportler«, und in dem Augenblick wurde mir bewusst: Das in jüngster Zeit so viel diskutierte und beklagte »Postfaktische Zeitalter« fing nicht etwa mit »Fake News« und »Populisten« an, sondern im Grunde schon mit der Einführung der »Political Correctness«. Denn schon dabei ging es im Grunde darum, übliche und von jedem verstandene Begriffe durch Wortneuschöpfungen zu ersetzen in der Hoffnung, deren Inhalte dann nach Belieben und nach eigenen Vorstellungen neu definieren zu können.
  Dass diese Vorstellung dem nicht mehr ganz neuen Gedanken des »Neusprech« folgt und in der Praxis nicht richtig funktioniert ... soll hier nicht das Thema sein. Wichtig ist vor allem, dass PC in Hinblick auf Sprache nicht mehr den Informationsgehalt, sondern vor allem das damit erzeugte Gefühl in den Mittelpunkt stellt. Der Gedanke dahinter ist ja der, dass Sprache insbesondere die gewünschten Gefühle transportieren soll, und dass weniger der Informationsgehalt und die allgemeine Verständlichkeit der Worte im Mittelpunkt steht, als vielmehr die Gefühle, die sie bei bestimmten gesellschaftlichen Gruppen auslösen oder auslösen könnten.
  Was ganz genau derselbe Ansatz ist, den »Fake News« und »Postfaktische Informationen« einfach nur in der letzten Konsequenz umsetzen. Denn auch dabei geht es ja nicht um einfache Lügen oder Falschmeldungen - vielmehr steht das gewünschte Gefühl im Mittelpunkt der »postfaktischen« Botschaft. Die inhaltliche Wahrheit und die Details werden irgendwie darum herumgebogen.

Mein Gefühl ist jetzt also: Wenn die bisherigen Meinungsbildner die »postfaktischen Fake News« beklagen, gilt die Klage weniger der fehlenden Sachlichkeit als vielmehr dem Umstand, dass nun plötzlich der politische Gegner die Werkzeuge gegen sie verwendet, mit denen sie zuvor versucht haben, die Gesellschaft in ihrem Sinne zu beeinflussen. Nur mit dem Unterschied, dass dieser politische Gegner dieselben Mechanismen noch ein Stück skrupelloser und dadurch - wen überrascht's? - sogar um einiges wirkungsvoller an seine Rezipienten bringt.
  Denn während die Political Correctness versucht, mit intellektuellem Feinsinn die Sprache zu verbiegen und die gewünschten politischen Botschaften ganz subtil durch die Hintertür in die Köpfe einer für Hintersinn meist unempfänglichen Mehrheit zu bringen, schieben die Populisten den ganzen Ballast, der PC immer ein wenig schwerfällig und lächerlich wirken lässt, einfach beiseite, und sprechen die Gefühle direkt an ... und was könnte direkter sein als eine Lüge?
  Aber von der »Neudefinition«, wie sie die in der PC zum Einsatz kommt, ist die Lüge tatsächlich nur einen winzigen Schritt weit entfernt, und eigentlich sollte es niemanden überraschen, dass, wenn man die Neudefinition gesellschaftsfähig macht, bald irgendjemand den nächsten Schritt auch noch geht.

So erinnert mich das Ganze wiederum an eine Beobachtung, die ich während meines Geschichtsstudiums schon gemacht habe: Da war mir nämlich bei der Spätphase der römischen Republik bewusst geworden, wie der Senat in der Auseinandersetzung mit den Populisten nach und nach Traditionen und Werte der Republik aufgegeben hat, um jeweils eine neue Kampfmaßnahme gegen seine populistischen Gegner zu gewinnen - und wie genau diese Neuerungen mit der schönsten Regelmäßigkeit etwa eine halbe Generation später von den Gegnern der Republik gegen den Senat gekehrt wurden. Woraufhin der Senat sich genötigt fühlte, zur Verteidigung der Republik den nächsten Präzedenzfall zu schaffen, ein weiteres Stück republikanischen Denkens zu opfern, um einen kurzfristigen Vorteil gegen die Populisten zu gewinnen ... Bis am Ende irgendwann nichts mehr von der Republik übrig war.
  In diesem Sinn bin ich zuversichtlich, dass die Verteidiger der Demokratie auch heute wieder einen Weg finden werden, um »Fake News« und postfaktische Stimmungsmache der modernen Populisten zu kontern. Obwohl »zuversichtlich« in diesem Kontext vielleicht nicht ganz die richtige Wortwahl ist.

Freitag, 26. Mai 2017

Zurück in die 80er

Ich hab’s in letzter Zeit ja schon ein paarmal gesagt: Mitunter fühle ich mich so, als ginge es EDV-technisch zurück in die 90er. Vor kurzem hab ich mir wieder meinen eigenen Computer zusammengebaut - zum ersten Mal seit der Jahrtausendwende; und immer öfter findet man mich wieder auf der DOS-Ebene - Pardon, Kommandozeile nennt man das ja heute! -, wenn ich ein technisches Problem zu lösen habe.
  Das geschieht nicht zum Spaß, oder weil ich es mir ausgesucht hätte. Sondern ich empfinde es tatsächlich als einen Rückschritt! Seit Windows XP liefen Technik und Treiber mehr oder weniger automatisch, und preiswerte Fertiggeräte boten mir alles, was ich so brauchte.
  Ob unter Windows oder Linux - heute muss ich wieder mit Befehlen frickeln, wenn alles laufen soll, und auch, wenn ich meine Rechner nicht mehr nach Geschwindigkeit optimieren muss, so gibt es doch genug andere technische Hakeleien, die mir gegen den Strich gehen und wegen derer ich mich wieder stärker mit der Hardware auseinandersetzen muss.
  Also, wie in den 90ern.

Ende letzten Jahres jedoch fühlte ich mich gleich um ein weiteres Jahrzehnt zurückversetzt, als ich mir nämlich für 700 Euro einen 13-Zoll-Monitor kaufte. Schwarzweiß, natürlich. Farbmonitore kannte in den 80ern ja auch niemand.
  Aber im Gegensatz zu den anderen Computerfrickeleien bin ich diesen Schritt freiwillig gegangen: Bei dem Monitor handelt es sich um einen neuen DaSung Paperlike - einen Bildschirm mit E-Ink-Technologie. Also, klein und schwarz-weiß, pixelig und so träge, dass man außer Textarbeit nichts darauf machen kann. Aber dafür ein Bild ohne Strahlung und Flimmerfrequenzen, so augenschonend wie auf Papier. Und es funktioniert!
  Mit dem Paperlike kann ich tatsächlich ermüdungsfrei arbeiten, nachdem ich die Bildschirmarbeit in den letzten Jahren immer deutlicher gespürt habe. Nachdem ich inzwischen über tausend Seiten darauf getippt und bearbeitet habe, kann ich sogar sagen, dass der Paperlike sich in der Praxis sogar noch besser macht als erhofft. Die Reaktion des Bildschirms reicht aus, um völlig problemlos mit dem Cursor zu arbeiten, sich im Text zu bewegen und Textstellen zu ändern. Ich würde das Ding nicht mehr missen wollen und hoffe nur, dass die Firma sich am Markt behaupten kann, damit ich auch in fünf Jahren noch einen E-Ink-Monitor kriegen kann, wenn ich mal einen neuen brauchen sollte.

Nachteil derzeit: Der Paperlike funktioniert zwar perfekt so wie beworben - aber nur unter Windows 7. Unter Windows XP hängt sich etwa alle 20 Minuten der Treiber auf und muss neu gestartet werden, was schon nervt. Und die Treiber zu den neueren Windows-Versionen sind noch sehr unfertig, unterstützen beispielsweise weder eine Nutzung als zweiten Bildschirm noch den »Hochkant-Betrieb« - der sehr wichtig ist, damit man die begrenzte Arbeitsfläche wie ein Blatt Papier nutzen kann.
  Für mich als inzwischen Linux-Nutzer ist das recht egal. Einen Linux-Treiber gibt's eh nicht, und wenn ich den Paperlike ohnehin in der Virtual Box laufen lassen muss, ist Windows 7 so gut wie jedes andere Betriebssystem. Und es funktioniert auch perfekt in der Virtual Box - da man mit dem Paperlike ohnehin nur Textverarbeitung macht, ist die Nutzung im virtuellen System mit wenig Einschränkungen verbunden.
  Aber Windows 7 ist nun mal ein sterbendes System, und ich fürchte, der künftige Erfolg des Geräts hängt davon ab, dass der Hersteller seine anderen Treiber auf dasselbe Niveau bekommt (Windows 10 ist wohl unvermeidlich, und nach allem, was man hört, sind wohl auch die Apple-Treiber eher eine Baustelle). Also drücke ich derzeit alle Daumen, dass der Paperlike die aktuellen Treiber bekommt und sich damit fest am Markt etablieren kann - aus dem ganz egoistischen Grund, dass ich mir die Arbeit ohne E-Ink-Screen gar nicht mehr vorstellen kann.
  Und wenn sonst noch jemand mit dem Gerät liebäugelt, mein Tipp: Benutzt ihn mit Windows 7. Das läuft perfekt - alles andere sollte man (derzeit) gar nicht probieren.
  Nur dann lohnt sich auch die Rückkehr in die 80er.