Mittwoch, 7. Februar 2007

Der Fehler des Autoren ist der Genitiv

Ich könnte immer wieder schreien, wenn ich irgendwo von "dem Autoren" lese. Und das lese ich leider immer häufiger. Also, hier sei's gesagt: "Autoren" ist Plural, und sonst nix!
Lustigerweise sind es meist Autoren, die nicht wissen, wie man ihren Beruf richtig schreibt – und das ist irgendwie traurig. Wenn ich so was in einem Manuskript lese, würde ich dem betreffenden "Autoren" immer gerne sagen, er soll erst mal zur Schule gehen und schreiben lernen, bevor er auf diesem Gebiet arbeiten will.
  Interessant auch, wie unbelehrbar manche an ihrem Fehler festhalten: Da wird ein eindeutiger grammatischer Sachverhalt gerne zur "umstrittenen Frage" erklärt, oder es wird gar auf die "Neue Rechtschreibung" verwiesen. Selbst der Hinweis auf den Duden hilft nicht immer weiter: "Aber im Duden steht doch: 'Autor, der; -s, ...oren' Und das heißt doch wohl, dass man 'Autors' oder 'Autoren' schreiben kann?" So was kriegt man dann zu hören. Und fühlt sich doppelt peinlich berührt, weil diese Autoren nicht nur ihre Berufsbezeichnung nicht richtig schreiben, sondern nicht mal den Duden benutzen können.
  Also: Im Duden stehen immer zwei Formen, zuerst der Genitiv (in dem Falle also "des Autors", und auch nicht "des Autoren", wie man mitunter ebenfalls liest) und dann der Plural ("die Autoren"). Und über den Dativ (denn das ist "dem Autor") sagen beide aufgeführte Formen nichts aus – allerdings kann man aus den aufgeführten Formen ableiten, ob ein Substantiv stark oder schwach dekliniert, und daraus wiederum lässt sich der Dativ eindeutig bestimmen.

Lustigerweise scheint sich gerade diese Schreibschwäche so weit verbreitet zu haben, dass die Duden-Redaktion inzwischen sogar den Akkusativ und den Dativ von "Autor" explizit aufgeführt hat, obwohl sich das eindeutig aus der Genitiv- und der Pluralform ableiten lässt ("dem/den Autor" kann jeder dort lesen, der den Eintrag bis zum Ende verfolgt). Was das wohl über die Sprachkenntnisse speziell dieser Berufsgruppe aussagt?
  Ich finde es jedenfalls paradox, dass gerade ein solcher Begriff, der ja eigentlich nur von einer schreibenden Sprachprofi-Zunft verwendet wird, eine Erklärung "für Dummies" im Duden hinzugefügt bekommen hat.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Dass Sie sich über den falschen Genitiv des Wortes "Autor" so aufregen, kann ich nachvollziehen. Allerdings ist mir unklar, wie ein interessierter Linguist, wie Sie es offensichtlich sind, sich auf den Duden als Referenzwerk beziehen kann. Der Duden nimmt Zeitformen wie "hatte gekündigt gehabt", also ein erweitertes Plusquamperfekt, einfach aus dem Sprachgebrauch auf. Jeder Anglizismus findet einen Weg in dieses Buch, es ist also ein Werk der Dekadenz der deutschen Sprache.
Und lesen Sie mal den Abschnitt über Prädikative im Grammatikduden! Wenn Sie dazu keine Lust oder Zeit haben, sende ich Ihnen gerne meine Arbeit darüber, in der ich erläutert habe, warum der Duden weder in sich schlüssig ist, noch als Argument für echte Linguisten gelten darf.

Lomax hat gesagt…

Vielen Dank für den Kommentar - auch wenn ich persönlich die häufiger geäußerte Kritik am Duden nicht unbedingt teilen möchte. Da sehe ich mich lieber als Sprachwissenschaftler denn als Sprachpfleger, und gerade als Linguist sympathisiere ich eher mit dem deskriptiven Ansatz der Grammatik als mit einem präskriptiven.
Ich stimme sicher nicht mit allem überein, was in den einzelnen Dudenwerken steht, und so manches mag zurecht fachlich umstritten sein; meine persönlichen sprachlichen Vorlieben mögen im Einzelfall ganz eigene sein, und nicht jede aktuelle Entwicklung der Sprache gefällt mir gleich gut. Aber der Duden ist in dieser Hinsicht durchaus hinreichend konservativ, und ich würde mal davon ausgehen, wenn sprachliche Phänomene im Duden stehen, dann sind sie auf jeden Fall so verbreitet, dass sie sich in der Grauzone sprachlicher Entwicklung befinden und zumindest nicht mehr eindeutig als "falsch" bezeichnet werden können. Die Diskussion darüber ist dann tatsächlich eher ein Fall für Sprachwissenschaftler und nichts mehr, was ich noch für praxisrelevant halten würde. Mittlerweile akzeptiere ich ja auch, dass man "platzieren" nun mal mit "tz" schreibt, auch wenn ich immer noch vor Ärger platzen könnte, wenn ich es sehe - nur käme ich nicht auf die Idee, es noch als Fehler anzustreichen. Und genauso sehe ich es auch mit anderen Dingen, die im Duden stehen: Manches findet man anders richtiger, über manches, was man lieber anders hätte, ist die Zeit hinweggegangen und man muss einfach akzeptieren, dass der Sprachgebrauch sich geändert hat und die eigenen persönlichen Vorlieben endgültig hinter sich gelassen hat.
Anderes mag irgendwann im Rahmen eines wissenschaftlichen Diskurses korrigiert werden; bei wieder anderem ist das letzte Wort noch nicht gesprochen, und da versuche ich meine Vorzugsschreibweisen im Sprachgebrauch zu stützen, indem ich sie in meinen eigenen Werken benutze und so meine Stimme im demokratischen Prozess der Sprachbildung abgebe.

Aber alles, was darüber hinausgeht - insbesondere Regeln, die es bereits geschafft haben, im Duden oder anderen anerkannten Regelwerken dokumentiert zu werden - sind für mich eher Windmühlenflügel, gegen die ich nicht anrennen möchte. Das wäre vielleicht interessant gewesen, wenn ich nach meinem Studium weiter im akademischen Betrieb geblieben wäre. Aber als Sprachpraktiker, denke ich, sollte man seine Fußstapfen lieber anderswo hinterlassen, und da akzeptiere ich die gängigen Handbücher einfach, durchaus auch im Bewusstsein möglicher Schwächen.

Anonym hat gesagt…

Herrschaften.

"Des Autoren" ist zurzeit im Deutsche eine nicht zulässige Form. Damit haben Sie durchaus Recht. Aber jeder, der sich in irgendeinem Internet-Blog als SprachpolizistIn aufspielt, hat offenbar eine Grammatik von Eisenberg, Jung, die DUDEN-Grammatik oder den DUDEN Band 9 "Richtiges und gutes Deutsch" (2008) nur als Nachschlagewerk verwendet.

Bitte lesen Sie, bevor sie mit irgendwelchen dummschwätzerischen, elitären Floskeln die Sprache mit der Sie offenbar jeden Tag umgehen zu etwas hochstilisieren, dass sie nicht ist, die entsprechenden Vorwörter. Unsere Sprache ist keine Steintafel, die sich in 3000 Jahren nicht verändert. Sie ist der Wassertropfen, der die Steintafel herunterläuft. Mäandrierend, sich verändernd und vor allem - bei Veränderung der äußeren Einflüsse auch mal die Temperatur ändernd. Was ich mit dieser - zugegeben - schlechten Metapher sagen möchte, ist Folgendes. Lesen Sie die Vorwörter dieser Bücher. Über Wörter und Wortgruppen wie "Sprachwandel" oder "Lebendigkeit der Sprache" werden Sie dort stolpern. Nach meinem Studium der Germanistik habe ich aufgehört andere Menschen zu berichtigen. Nicht nur in der Schriftsprache, sondern vor allem bei "Fehlern" der gesprochenen Sprache. Zu begreifen, dass Deutsch mehr ist als knapp 5000 Seiten Regelwerk (Alle DUDEN-Bände zusammengenommen) wünsche ich Ihnen. Zu begreifen, dass regionaler Sprachgebrauch tiefer in unserer Sprachgemeinschaft verankert ist, als Sie es jemals für möglich gehalten haben, wünsche ich Ihnen. Menschen mit dem Label (Oh nein, ein Anglizismus!) des niederen Bildungsstandes zu versehen, nur weil sie ihre Mundart oder regionale Besonderheiten des Deutschen !beherrschen! ist elitär und dummschwätzerisch. Bitte überdenken Sie Ihren Blog und fangen Sie an zu lesen.

Mit freundlichen Grüßen

Heinz Rudolf

Sollten Sie mir eine Mail schicken wollen: hot_gurke@web.de - es ist meine Spam-Adresse, scheuen Sie sich nicht, ich lese auch dort.

Alexander Lohmann hat gesagt…

Das Sprache sich verändert, ist sicherlich richtig. Aber deswegen ist nicht gleich jeder sprachliche Fehler eine historische Hinzufügung zur deutschen Sprache, die man gleich in alle Wörterbücher aufnehmen muss. Der Veränderung der Sprache tragen die einschlägigen Regelwerke durchaus Rechnung - was ernst zu nehmen ist, wird irgendwann auch dort als Variante auftauchen; solange das nicht der Fall ist, mag man darüber philosphieren können, ob es irgendwann mal dort auftauchen wird - standardsprachlich fehlerhaft ist es vorläufig trotzdem.
Gar nicht nachvollziehen kann ich ehrlich gesagt den Gedanken, dass man nichts mehr korrigieren muss, nur weil alles irgendwann mal richtig werden könnte, oder weil bei sprachphilosophischer Betrachtung alles irgendwie fluid erscheint ... So eine Haltung finde ich genauso absurd, als würde man sagen, dass man keine Gesetze braucht und keine Moral, weil ja alles, was heute verboten ist, irgendwann einmal erlaubt sein könnte. Das Problem ist nur, das Leben findet nicht irgendwann statt, sondern immer in einem Jetzt - das gilt für die Sprache wie für alles andere. Und für das jetzt ist es recht nützlich, einen stabilen Zustand zu etablieren, damit überhaupt irgendwas funktioniert. Denn man kann wohl feststellen, wenn der "Zustand zurzeit" ohne Bedeutung wäre und jeder so sprechen und schreiben würde, wie man irgendwann einmal sprechen und schreiben könnte, dann würde keiner mehr irgendetwas verstehen, und Sprache würde ihren Sinn so ziemlich verlieren - und auch die sprachliche Entwicklung, die Sie als Begründung Ihrer Position heranziehen, würde dann zum Stillstand kommen, weil sie sich eben nur in der Auseinandersetzung mit dem Ist-Zustand und seinen Beharrungskräften vollzieht.
Meine Schlussfolgerung aus dem sprachwissenschaftlichen Studium war also nicht, dass sowieso alles egal ist und man also auch niemanden korrigieren muss. Ich würde eher den Schluss daraus ziehen, dass die konkrete Ausformung der Sprache gestaltet werden muss, weil die Sprache sich nur dann wandeln kann, wenn sie überhaupt eine Gestalt hat. Darum mag es in den Vorworten von sprachlichen Regelwerken gerne ein wenig philosophisch zugehen. Der einzige Grund, warum diese Vorworte überhaupt gelesen werden, sind jedenfalls die Regelwerke dahinter.

Mundart und regionale Besonderheiten (oder auch die leidige Diskussion um "Soziolekte", die von Frau Wiese jüngst angestoßen wurde - eine Position, nebenbei bemerkt, die meiner Einschätzung nach zu Recht umstritten ist und wohl eher eine randgängige Meinung innerhalb der Sprachforschung repräsentiert) gehen dann bei dem speziellen Sachverhalt, den ich im obigen Beitrag beschrieben habe, gänzlich am Thema vorbei. "Des Autoren" ist weder ein Dialekt noch eine regionale Besonderheit - es ist einfach eine Abweichung, die sich mit einer Verteilung und Streuung findet, die ziemlich typisch ist für einen einfachen Fehler. Ein verbreiteter Fehler - aber eben nach derzeitigem Sprachstand ein Fehler.
Ein Fehler, den man dann auch korrigieren kann und sollte, wenn man im Handwerk der Sprache unterwegs ist. So eine Forderung mag man elitär nennen - aber sie ist auch nicht elitärer als in jedem anderen Handwerk. Oder kennen Sie etwa eine Zunft, in der man ein hohes Ansehen genießen kann, wenn man Fehler nicht nur macht, sondern sogar noch stolz darauf beharrt und sie mit allerhand philosophischen Verbrämungen zur hohen Kunst stilisieren will, anstatt einfach zu lernen, wie es richtig geht, und das in Zukunft auch zu tun? ;-)

Anonym hat gesagt…

Keine grosse Sache, bin nur über folgenden Satz gestolpert: "Und fühlt sich doppelt peinlich berührt, weil diese Autoren nicht nur ihre Berufsbezeichnung richtig schreiben können, sondern nicht mal den Duden benutzen."

Ich würde schreiben: "Und fühlt sich doppelt peinlich berührt, weil diese Autoren nicht nur ihre Berufsbezeichnung nicht richtig schreiben, sondern nicht mal den Duden benutzen können."

Mit freundlichen Grüssen

Yves

Alexander Lohmann hat gesagt…

Vielen Dank für den Hinweis - ist korrigiert.

Holger Seider hat gesagt…

Mal eine Frage von einem ganz furchtbar dummen Menschen (mit Fehlern und Macken), der sich Autor schimpft, jedoch lernfähig ist. "Autors" - Genitiv; "Autoren" - Plural - ist gespeichert; war bisher fehlerhaft abgelegt, also war ich Ihrer Definition nach bisher der deutschen Sprache nicht mächtig. Warum jedoch heißt es (auch in der Überschrift Ihrer Webpage): AUTORENTAGEBUCH - wenn es sich doch um das Werk eines singulären Autors handelt?? Ich bin verwirrt.

Alexander Lohmann hat gesagt…

Das "-en" ist keine Genitivendung, sondern ein Fugenzeichen wie bei "Instrumentenbau". Der Duden 9 sagt zu dem Thema: "Zusammensetzungen mit Autor ... sind fast ausschließlich mit dem Fugenzeichen -en gebräuchlich".
Fugenzeichen sind oft erstarrte Flexionsendungen. Wo genau das "-en" in dem Falle beim Autor herkommt, weiß ich auch nicht. Ich vermute allerdings, dass es da in erster Linie mit der flüssigen Aussprache zu tun hat.
Wenn Sprache immer nur logisch wäre, müsste ich als Lektor nicht so viel nachschlagen ;-)

Holger Seider hat gesagt…

Sehr gut, da habe ich wieder etwas Neues kennengelernt "Fugenzeichen" - war mir nicht geläufig. Vielen dank für die verständliche und sehr gute Erklärung. Ich wünsche ein "frohes Neues" und weiter so, lieber Herr Lohmann!

Anonym hat gesagt…

Auch ein Herr Lohmann, der hier als Sprachwächter vom hohen Ross auftritt, macht Fehler im Deutschen. "Das Sprache sich verändert, ist sicherlich richtig." - vgl. Eintrag vom 25. Juni 2012.

Etwas leisere Kritik wäre daher angebracht.

Alexander Lohmann hat gesagt…

Jeder macht Fehler - aber nicht jeder Fehler ist gleich. Ein wenig schlimmer als Tippfehler finde ich schon, wenn man nicht weiß, wie's richtig geht, obwohl man es wissen sollte. Und noch deutlich schlimmer wird es, wenn man auf einem Fehler beharrt und gar nicht wissen will, wie's richtig ist.

Ich persönlich korrigiere einen Fehler einfach, wenn man mich darauf aufmerksam macht (wenn möglich - leider kann man Kommentare wohl nicht editieren, also muss der oben erwähnte Fehler wohl stehen bleiben). Selbst keine anderen Fehler mehr zu korrigieren, würde ich da eher als unangemessene Reaktion ansehen.