Samstag, 8. Oktober 2005

Smart!

Nach zwei Jahren Wartezeit ist es endlich so weit – ich habe einen Alphasmart 3000 ergattert!
  Was das ist? Nun, eine Art Tastatur, die aber einen eigenen kleinen Bildschirm hat und unabhängig vom Computer für die Texterfassung benutzt werden kann. Im Gegensatz zum Laptop funktioniert das Ding mehrere hundert Stunden lang mit Batteriebetrieb; es ist auch kleiner und leichter als (mancher) Laptop und vor allem sehr viel robuster. Optimal für den Autor unterwegs.
  Und warum ich zwei Jahre darauf warten musste? Nun, der Neupreis für so ein Ding beträgt ca. 270 Euro, und das fand ich immer etwas sehr happig für ein Gerät, das letztlich doch nicht viel mehr ist als eine externe Tastatur. Denn außer Texte tippen kann man damit doch nicht viel anfangen. Ich habe viel zu tippen, aber so oft bin ich nun doch nicht in Situationen, wo mir der Alphasmart gegenüber Laptop oder Computer Vorteile bringt.


Immerhin, vor zwei Jahren habe ich mal einen Alphie hier gehabt und auf Herz und Nieren geprüft. Und ich fand ihn auch sehr praktisch und habe mir fest vorgenommen, dass ich mir so ein Teil kaufe - sobald ich mal einen Gebrauchten für deutlich unter 100 Euro sehe. Und seitdem habe ich einen Dauersuchauftrag bei eBay laufen.
  Leider hat es zwei Jahre gedauert, bis der fündig wurde – ich war immer wieder erstaunt, wie viele Leute selbst für einen gebrauchten Alphasmart noch fast 200 Euro hinblättern. Da wollte ich nicht mehr mithalten ...
  Als ich jetzt ein Modell zum günstigen Sofortkauf sah, habe ich trotzdem nicht sofort zugeschlagen. Denn Geiz ist ja geil – und ich nutze gerne jede Gelegenheit, um diese Tugend auf die Spitze zu treiben ;-) Also habe ich zuallererst meine Freundin überzeugt, mir das Ding zum Geburtstag zu schenken. Doppelt gespart: Erst auf den günstigen Alphasmart gewartet, und ihn dann nicht mal selbst bezahlt.
  Der Nachteil: Der Alphasmart ist bestellt und geliefert, aber jetzt liegt er erst mal bei meiner Freundin. Und ich muss noch bis zu meinem Geburtstag im nächsten Monat auf die Übergabe warten.


Na ja, macht nach den zwei Jahren auch keinen großen Unterschied mehr. Und im Augenblick habe ich sowieso keine Zeit zum Reisen und werde den Alphasmart im nächsten Monat ohnehin nicht benötigen.
  Freuen tu ich mich trotzdem schon jetzt ;-)

Dienstag, 4. Oktober 2005

Phishers Phritz phisht phrische Ph... äh, Passworte bei Ebay

Phishing – so nennt man es auf Neudeutsch, wenn irgendwelche dubiosen Gestalten mit gefälschten E-Mails versuchen, wichtige Passwörter auszuspionieren. Und diese meist sehr dümmlichen Versuche sind eine wahre Plage.
  Anscheinend »phishen« diese Ganoven gerne nach Postbank-Online-Kunden, denn wir bekommen fast wöchentlich eine Mail mit diesem Topic, meist in unverständlichem Deutsch und vor Rechtschreibfehlern strotzend, und ungeachtet der Tatsache, dass wir bisher nie darauf reagiert haben und überhaupt keine Postbank-Online-Kunden sind.
  Da muss man wohl schon sehr doof sein, um diese Mails für echte Anfragen von der Postbank zu halten und sein Passwort oder gar seine PIN zu verraten.


Vor ungefähr zwei Wochen allerdings bekamen wir eine Mail von einem ganz anderen, scheinbaren, Absender: Ebay forderte meine Freundin auf, sofort ihre Benutzerdaten neu einzutragen, weil andernfalls ihr Account gelöscht wird.
  Diese Mail hatte durchaus ein gewisses Ebay-Look-and-Feel: Das Logo war da, das Englisch recht verständlich ... Moment! Englisch? Tatsachlich war der angebliche Absender nicht »ebay.de«, sondern »ebay.com«, und mit denen haben wir eigentlich wenig zu tun. Das stimmt misstrauisch. Auf den zweiten Blick stellte sich dann noch heraus, dass der in der Mail angegebene Link nicht auf die dort zu lesende Ebay-Adresse führte, sondern zu einer ganz anderen IP. Also, offensichtlich ein Phishing-Versuch.
  Aber eine gut gemachte Fälschung – da haben wir uns schon gefragt, ob nicht der ein oder andere unaufmerksame Empfänger seine Ebay-Daten preisgegeben hat. Nun ja, ansonsten landete die Mail im Spam-Mülleimer und war erst mal vergessen. Bis letzte Woche. Da gingen nämlich die Gerüchte durch die Medien, dass angebliche »Hacker« mit den Passworten unschuldiger Ebay-Kunden »Scherzeinkäufe« getätigt haben. Ein Rentner wurde als Opfer genannt, und ein Mann aus Bergisch Gladbach mit fast 600.000 Euro virtuellem Schaden.
  Da erinnerten wir uns gleich wieder an den Phishing-Versuch, und beim Gespräch im Freundeskreis stellten wir fest, dass wir nicht die einzigen Empfänger waren: Offenbar war zwei Wochen zuvor eine kleinere Lawine gefälschter Ebay-Mails über ahnungslosen Kunden niedergegangen. Von der Zeit her passt das recht gut zu den Betrugsfällen – seltsam nur, dass Ebay laut Zeitung immer noch rätselt, wie die »Hacker« an die Passworte gekommen sein können.
  Nun, vielleicht lesen sie hier ja mit und lassen sich etwas auf die Sprünge helfen ... Ach nein, ich sehe gerade: Inzwischen finden sich auf Ebay Warnungen vor diesen Phishing-Mails, also haben sie den Zusammenhang mittlerweile wohl erkannt.


Umso peinlicher, dass die Geschichte noch ein unrühmliches Nachspiel hatte: Einen Tag nach den Betrugsfällen kam eine weitere Mail bei uns an. Vom »eBay.de-Team«. Und in dieser Mail wurde man aufgefordert, seinen Ebay-Account als gewerblich oder privat zu kennzeichnen. Es gab auch einen Link in dieser Mail, der angeblich zu »Mein Ebay« führte, tatsächlich aber zu einer Adresse unter »ebay.de.mediaplex.com«, also irgendeiner Subdomain von mediaplex.com!
  Das war also wieder eine Mail, bei der alle Alarmglocken für einen Phishing-Versuch klingeln müssen: Ein Direktlink zu einer Adresse, bei der man UserID und Passwort eingeben muss, und der nicht direkt zu Ebay führt! Aber: Wenn man sich die Mail ein wenig genauer ansieht, stellt man fest, dass sie offenbar doch echt ist; und der scheinbar falsch Link wird allem Anschein nach doch zu ebay.de umgeleitet. Wenn es nicht gerade die perfekte Fälschung ist, war das diesmal eine echte Ebay-Mail!


Und wenn man dann auf den Ebay-Seiten eine ausdrückliche Warnung vor den Phishing-Mails liest, mitsamt den Erklärungen, wie man solche erkennen kann, dann fasst man sich doch an den Kopf. Wie kommt das Ebay-Team dazu, wenn sie das Problem schon kennen, selbst eine Mail zu verschicken, die unmittelbar einer Phishing-Mail entspricht?
  Hallo, denkt hier jemand mit?
  Auf diese Weise werden die Kunden ja geradezu dran gewöhnt, auf Phishing-Mails zu reagieren. Und alle Bemühungen um Sicherheit und Aufklärung der Kunden werden so mit einem einfachen Druck auf den Send-Button konterkariert. Mit solchen Mails handelt Ebay schon verantwortungslos und muss sich eine Mitschuld am sorglosen Umgang mancher Kunden mit ihren Passwort-Daten anrechnen lassen. Wenn sie schon dem Kunden in ihren Mails einen einfachen Direktlink anbieten wollen, dann sollten sie doch zumindest eine saubere, eindeutige und für den Laien gleich erkennbare Ebay-Adresse hinterlegen.
  Denn wenn der Kunde erst mal daran gewöhnt ist, »mediaplex.com« anzuklicken, wenn er zu Ebay will, dann lernt er auch, nicht darauf zu achten, was da eigentlich steht. Und beim nächsten Mal klickt er auch »www.passwortklau.de« an. Und glaubt, dass er da in sicheren Händen ist und schon alles seine Richtigkeit hat.

Samstag, 1. Oktober 2005

Sozialhilfe für Reiche?

Warum hat die CDU bei den Umfragen so viel besser abgeschnitten als bei der Wahl? Wollten die Wähler keine Kanzlerin, haben das aber aus Gründen der Political Correctness in den Umfragen nicht zugegeben? Das zumindest behauptet wiederholt meine Tageszeitung.
  Nun, ich für meinen Teil habe immer gerne zugegeben, dass ich Merkel nicht als Kanzlerin will. Und das hat wenig damit zu tun, dass sie eine Frau ist. Ich habe auch von genug Frauen gehört, dass sie gerne mal eine Frau als Kanzlerin hätten – aber eben nicht Merkel.
  Merkel hat die Wahl verloren, weil sie persönlich einfach nicht für den Posten taugt. Dass sie eine Frau war, war sogar noch das einzige, was überhaupt für sie gesprochen hat. Warum also muss immerzu ihr Geschlecht als Entschuldigung herhalten und wird auch von den Medien bereitwillig zur alleinseligmachenden Erklärung hochstilisiert?


Nein, ich möchte nicht schon wieder die Wahl thematisieren. Ich möchte ich mich mit einem ganz anderen und allgemeineren gesellschaftlichen Phänomen befassen: Warum ist unsere Gesellschaft inzwischen so leicht bereit, einen behaupteten Geschlechterkampf als Begründung für bloßes persönliches Versagen zu akzeptieren? Und was für Folgen hat dieses Verhalten für die Gesellschaft?


<Ist die Frauenförderung in der heutigen Form eine »Sozialhilfe für Reiche«? Dazu mehr hier im ausführlichen Kommentar>

Donnerstag, 29. September 2005

Alltag statt großer Worte

Im Oktober steht mal wieder die Buchmesse an. Auch, wenn ich mich dort wieder sehen lassen wollte - im Grunde betrifft mich dieser Termin nur am Rande; ganz im Gegensatz zu den vielen Verlagsmitarbeitern, die stressige Vorarbeiten zu leisten haben.

  Was mich allerdings betrifft, sind die Abgabetermine: Einen Roman und ein Übersetzung haben meine Freundin und ich rings um die Buchmesse abzugeben (das eine kurz vorher, das andere in der Woche danach). Im Augenblick sind wir eifrig dabei, die Texte zu überarbeiten und letzte Hand anzulegen.

  Die letzten Septembertage und auch noch fast der ganze Oktober sind für mich also eine sehr stressige Zeit. Das erklärt auch, warum meine wortreichen Ausführungen hier im Blog ein wenig auf sich warten lassen. Da kommt diese Woche vielleicht noch eine Glosse aus dem Archiv zum Einsatz, wenn ich nichts Neues schreiben kann. Aber Content kommt, keine Sorge.

Im Augenblick merke ich selbst kaum, wie die Zeit vergeht. Schwupp - ist schon wieder Abend und ein Tag vorbei. Zumindest für mich ist die Zeit bis zur Buchmesse nur noch ein Hinterherlaufen hinter Terminen. Meine Freundin, die ja dieselben Termine hat, sieht das womöglich entspannter. Frauen haben ja bekannterweise ein besseres Zeitmanagement.

  Hm, vielleicht sollte ich um einen Gastbeitrag bitten? Arbeit delegieren ist ja immer ein probates Mittel, zum sich Entlastung zu verschaffen ... Ich werde mal sehen, was sich tun lässt ;-) Ich melde mich die Tage mit den Ergebnissen wieder ...

Freitag, 23. September 2005

Der Nenner zählt nicht!

Was tut man, wenn man vom PISA-Schock voll erwischt wurde und aus dem Mathe-Unterricht nur noch Sechsen heimbringt? Nur nicht aufregen: Das reicht immer noch für einen gut bezahlten Job als Rezensent im Kulturteil der Tageszeitung! Vor allem die Filmkritiken erweisen sich immer wieder mal als Ghetto der Journalisten, die mit Zahlen und Fakten nicht viel am Hut haben und den ganzen Tag lieber vorm Fernseher vergammeln ...


Doch der Reihe nach: Sicher hat jeder schon mal vom berühmten »kleinsten gemeinsamen Nenner« gelesen. Dieser Ausdruck wird gerne verwendet, um das Fehlen von Substanz zu beschreiben. Ein Film beispielsweise, der dem kleinsten gemeinsamen Nenner des Publikums folgt, ist so dämlich und anspruchslos, dass ihm selbst der dümmstmögliche Zuschauer noch mühelos folgen kann. Wer einen solchen Film dreht, der hofft auf viele Zuschauer, weil er zwar vielleicht nicht viel bietet – aber auch niemanden abschreckt!
  Jeder weiß also, was gemeint ist, wenn vom kleinsten gemeinsamen Nenner die Rede ist.
  Was aber, wenn ein Rezensent die gelernten Begriffe nicht einfach verwendet, sondern allzu viel darüber nachdenkt? Dann taucht ganz leicht ein allseits bekanntes Phänomen auf: Wer selbst nicht zu den geistigen Überfliegern zählt und im täglichen Leben wenig versteht, der neigt – wenn die nötige Selbsterkenntnis fehlt – leicht zu dem Vorurteil, dass er nur deshalb nichts versteht, weil die anderen sich alle falsch ausdrücken.


So erging es wohl auch einem Kulturteil-Rezensenten meiner Tageszeitung, der offenbar letztens mal alles hinterfragen und besser machen wollte. »Warum«, so fragte sich dieser Rezensent, »spricht man eigentlich vom kleinsten gemeinsamen Nenner des Publikums? Es geht doch darum, dass diese Filme ein möglichst großes Publikum erreichen wollen, und groß ist ja nicht klein!«
  Also schrieb er flugs in seine Rezension: »... dass Peter Segal ... auf dem größten gemeinsamen Publikumsnenner zugearbeitet hat.« Das könnte sogar ein lustiges Spiel mit Worten sein, wenn der Rezensent das Gegenteil vom »kleinsten gemeinsamen Nenner« meinen würde und aussagen wollte, dass dieser Peter Segal eher ein anspruchsvolles Publikum bedient. Will er aber nicht, wie man dem Rest der Rezension entnehmen kann. Er wollte einfach nur schlauer sein als alle anderen und die übrige Welt belehren, dass ein großes Publikum auch einen großen Nenner benötigt.


Nun, ich habe diesen Hilferuf eines blind im Sprachnebel umhertappenden Schreiberlings gehört. Und versuche mal, die mathematischen Lücken im Kulturteil zu stopfen. Also: Was ist ein Nenner?
  Wer nicht allzu oft Mathe geschwänzt hat (beispielsweise, um die morgendlichen Wiederholungen kulturell hochwertiger Filmklassiker nicht zu versäumen), der sollte den Begriff noch aus der Schule kennen: Bei einer Bruchzahl hat man oben den »Zähler« und unten den »Nenner«. Wird der »Zähler« eines Bruches groß, so ist auch die Zahl groß. Der »Nenner« ist aber der Betrag, durch den die Bruchzahl geteilt wird. Und wenn man an viele verteilt, bleibt wenig übrig. Also: Ein großer Nenner ergibt eine kleine Zahl. Ein großes Publikum will einen kleinen Nenner ...


Aber das ist zugegeben auch nur die halbe Wahrheit: Das Defizit des Rezensenten ist in Wahrheit doch ein sprachliches, kein mathematisches. Denn mathematisch betrachtet ist es natürlich egal, ob man den größten oder den kleinsten gemeinsamen Nenner wählt: Der Bruch bleibt gleich, weil der Zähler sich in gleichem Maße ändert. Aufs Bild übertragen hieße das: In dem einen Fall enthält der Film nur das, was keinen Zuschauer verschreckt; im zweiten Fall enthält er für jeden Zuschauer etwas.
    So funktioniert die Mathematik. Aber nicht die Sprache. Sprache formt Bilder, und sie nimmt nur einzelne Elemente aus anderen Lebensbereichen und versucht damit, abstrakte Zusammenhänge anschaulich zu machen. Das Bild mit dem kleinsten gemeinsamen Nenner baut gerade darauf auf, dass so mancher aus der Schule noch eine Vorstellung von der Bedeutung eines Nenners hat. Und dass, wenn man vom kleinsten gemeinsamen Nenner spricht, die Assoziation da ist: Der Zähler zählt die Quantität, der Nenner ordnet nach Qualität. Und wenn die Qualität groß ist, wird das Publikum klein.
  Ob diese Vorstellung immer so mit der Wirklichkeit konform geht, sei dahingestellt. Es ist eben ein Klischee. Aber mit dem »größten gemeinsamen Publikumsnenner« wird schlichtweg das Bild krumm. Der Inhalt wird nicht intelligenter, nur die Assoziationen der Worte stimmen nicht mehr. Und damit kommen wir dann auch zum allgemeinen Fazit des heutigen Blog-Eintrags (denn das hier ist ja immer noch ein »Writers-Blog«, um mal wieder daran zu erinnern):


Sprache ist in erster Linie Konvention. Das bedeutet im Zweifel auch: Nicht denken – nachschlagen! Wenn man souverän und professionell mit Sprache umgehen will, sollte man diese Regel zuallererst verinnerlichen. Wer zu schlau sein möchte und zu viel über die Bedeutung von Worten nachdenkt, dabei aber die Konventionen der Sprache außer Acht lässt, der generiert damit regelmäßig schräge Formulierungen, die bestenfalls falsch wirken – und schlimmstenfalls peinliche Stilblüten sind.
  Vor allem, wenn's dann auch noch mit Mathe hapert ;-)

Mittwoch, 21. September 2005

Von Bush lernen heißt siegen lernen!

Letztens konnte ich im Fernsehen eine Dokumentation zum so genannten »Bibelcode« verfolgen: Da hat irgendein Sp..., äh, eine Person, die vermutlich nicht mehrheitsfähige Ansichten vertritt, behauptet, dass die Welt im Jahre 2006 in einem atomaren Holocaust zugrunde gehen wird. Und das alles soll kodiert in der Bibel stehen.
  Nun, das klingt zunächst wenig überzeugend. Aber dann erfahre ich, dass Bush derzeit eine neue Doktrin für den Atomwaffeneinsatz entwickelt. Die besagt, kurz zusammengefasst, dass die USA in Zukunft gegen alles und jeden Atomwaffen einsetzen können, wenn es ihnen gerade vorteilhaft erscheint, und dass sie Atomwaffen überall hinbringen und stationieren wollen, wo gerade irgendwelche Verrückten mit bösen Absichten rumlaufen.
  Da frage ich mich doch, ob zwischen diesen beiden Sachverhalten ein Zusammenhang besteht ...


Aber nein – warum das Misstrauen? Die USA sind der mächtigste Staat der Erde. Die wissen schon, was sie tun! Anstatt also das Schlimmste zu befürchten und überall Fehler und Dummheit am Werk zu sehen, sollte man lieber vertrauen. Und lernen.
  Damit meine ich nicht, dass ich in Zukunft mein Geld nur noch an Orte tragen möchte, wo möglichst viele maskierte Bedürftige mit krimineller Vergangenheit herumlaufen. Oder dass ich einen Koffer voller Waffen auf eine Station für geisteskranke Massenmörder bringen will. Aber ich denke doch, dass man nach dem Vorbild der amerikanischen Politik viele potenzielle Gefahrenherde präventiv entschärfen könnte.
  Heute beispielsweise parkte ein dicker Tanklastzug unmittelbar vor unserem Fenster und lieferte dem Nachbarn sein Heizöl. Das war schon ein sehr beunruhigender Anblick, denn immerhin könnte so ein Tanklastzug explodieren und dann die ganze Straße und schlimmer noch: Meine Wohnung gefährden
!  Meine Lehre aus der US-Politik sieht also so aus, dass ich mir, um mich gegen solche Gefahren zu schützen, am besten gleich eine möglichst schwere Waffe besorgen muss. Ein Raketenwerfer sollte reichen. Und wenn dann dieser bedrohliche Tanklastzug vor meiner Tür steht – zack! Abgeschossen!
  Schon bin ich in Sicherheit und muss nicht immerzu befürchten, dass da irgendein gefährlicher Unfall passieren könnte. Oder?


Ohne Zweifel eine Taktik, die die Welt verbessern wird. Im großen Rahmen zeigt man den bösen Terroristen, was eine Harke ist: Wenn man irgendwo einen solchen Schurken sieht, gleich eine Atomwaffe drauf! Wollen doch mal sehen, ob die dann noch irgendwo irgendwas kaputt machen können. Und im Kleinen kehrt man vor der eigenen Haustür und verhindert, das Schlimmeres passiert, indem man gleich selbst dafür sorgt.
  Da sollte doch gleich jeder vernünftige und aufrechte Bürger mitmachen. Denn von Bush lernen heißt siegen lernen! Denk ich jetzt mal ...

Montag, 19. September 2005

Seltsame Hobbys haben die Leute ...

»Machen Sie Ihr Hobby zum Beruf«, so kann man regelmäßig in einer Stellenanzeige in meiner Zeitung lesen. Da ich ja nun auch mein Hobby zum Beruf gemacht habe, schau ich da gerne mal genauer hin, was für eine Tätigkeit auf diese Weise mit meiner Berufswahl verglichen wird.
  Und, große Überraschung: Es ist die Arbeit in einem Call-Center! Na, damit hätte ich wirklich nicht gerechnet ...
  Hat etwa tatsächlich jemand das Hobby, bei wildfremden Leuten anzurufen und ihnen irgendwelchen Quarks aufzuschwatzen, den sie nicht haben wollen? Oder die Rückfragen entnervter Kunden zu beantworten, die mit Problemen anrufen, von denen man nicht die leiseste Ahnung hat?
  Können die Inserenten dieser Anzeige wirklich darauf hoffen, dass sich jemand meldet, der das passende Hobby zu diesem Beruf hat?


Ich fürchte, nein. Viel repräsentativer dürfte da schon die Einschätzung eines jungen Mannes sein, der eine Zeitlang bei unserer Rollenspielgruppe mitgespielt hat: Er hat zunächst im Call-Center gearbeitet und dann eine Ausbildung als Bestatter angefangen. Und verglichen mit seinem früheren Job hat er nach dem Wechsel das Paradies gefunden ... natürlich nur sinnbildlich gesprochen, würde ich sagen. Aber wer weiß?
  Nun, wie auch immer: Wer auch immer die oben angesprochene Anzeige formuliert hat, er ist vermutlich die einzige Person in ganz Deutschland, die dieses sonderbare Hobby pflegt. Ich fürchte, meine unbekannte Dame oder mein unbekannter Herr, Sie werden einsam bleiben. Das muss ich Ihnen leider sagen.
  Aber wer weiß: Vielleicht weiß die Person das ja schon? Vielleicht hat sie ganz bewusst und zynisch eine solche Anzeige formuliert, auf die sich kaum eine Person in ganz Deutschland guten Gewissens und ehrlich bewerben kann? Aber nein, das kann nicht sein: Das würde ja bedeuten, dass dieser Arbeitgeber nur Lügner und Heuchler als Bewerber sucht. Und für welchen Job sollte man solche Leute schon brauchen können?