Ich nehme an, ich hab’s hier schon mal erwähnt: Seit dem Umstieg auf Linux gibt es genau noch zwei Programme, die ich unbedingt benötige, die unter Linux aber nicht laufen: Das eine ist mein Übersetzersystem, das andere Dragon Dictate. Das ist kein Beinbruch, denn beide Programme kann ich immer noch unter einer Windows-Installation in der Virtual Box laufen lassen - nur dass ich dafür schon einen erheblich leistungsstärkeren Rechner brauche, als vorher unter Windows allein. Auf meinem Office-Rechner funktioniert das nicht.
Dragon Dictate unter Linux ist ein altes Thema: Im Netz findet man eine Menge Leute, die unter Linux eine Diktierfunktion vermissen. Zu Dragon Dictate gibt es keine Alternative, und das war unter Linux (so gut wie gar) nicht ans Laufen zu kriegen. Viele haben es versucht, ein paar haben es mehr schlecht als recht geschafft. Und selbst diese Versuche waren meist nicht reproduzierbar.
Ich habe jetzt noch mal einen Versuch gewagt, nachdem ich gehört habe, dass beim neuen Wine 2.0 eine Menge an den bisher für die Misserfolge verantwortlichen Punkten getan wurde, und siehe da: Die Installation lief durch, Diktate funktionieren auf Anhieb. Auf meinem Office-Rechner mit Atom-CPU.
Natürlich muss ich erst noch eine Weile testen, um ausführlich beurteilen zu können, was gut klappt, wo es hakelt, wo die Grenzen liegen. Aber für all diejenigen, die auch schon lange darauf warten, stelle ich hier schon mal die Kurzmeldung ins Netz: Dragon Naturally Speaking war unter Linux immer ein Problem - jetzt funktioniert es.
Jedenfalls in der Version 11.5 mit Wine 2.0 (ich hab’s unter Playonlinux installiert, um die neue Wine-Version aufs System zu kriegen). Probiert's einfach aus.
Montag, 3. April 2017
Mittwoch, 25. Januar 2017
SPD - Gabriel = ?
Eigentlich hatte ich mich für die nächste Bundestagswahl schon behaglich eingerichtet und meine Prioritäten festgezurrt. Jetzt zwingt mich der Rücktritt von Sigmar Gabriel tatsächlich, noch einmal neu nachzudenken. Denn eine dieser Prioritäten war: »Niemals stimme ich für Gabriel.«
Punkt.
Nun ist er also weg. Und die SPD plötzlich wieder wählbar. Oder zumindest nicht mehr per se ausgeschlossen. Und das bringt mich ins Grübeln. Denn die Partei wird damit nicht plötzlich eine andere - und da bleibt einiges, was mich stört.
Kurz gesagt, eigentlich ist mir die SPD in den letzten Jahrzehnten zu weit nach rechts gerückt, und die linken (= gewerkschaftsnahen) Reste, die sie noch pflegt, sind nicht die meinen. Auch die Konstellationen für die nächste Wahl haben sich nicht verändert - und die sehen halt so aus, dass ich die GroKo für die einzig erträgliche Alternative halte.
Das überrascht vielleicht, warum ich die SPD am liebsten mit den »Schwarzen« zusammensehe, wo sie mir doch allein schon zu rechts ist. Auf den ersten Blick scheint es da logischer, eine Rot-rot-grüne »Linkskoalition« zu wünschen. Nur leider hat mich die Erfahrung gelehrt, dass diese Koalitionen mit kleineren Partnern dazu führen, dass alle Beteiligten ihre schlimmsten Seiten zeigen. Und Linke und Grüne haben von Flüchtlingspolitik bis Wirtschaftsverhinderung eine Menge Zumutungen im Programm, bei denen ich befürchte, dass sie in einer Linkskoalition Teil des Pakets werden, während die SPD dann den »rechten« Flügel abdecken muss. Man kriegt also bei diesem Dreiergespann von jedem Beteiligten voraussichtlich genau das, was man nicht von ihm will.
Eine Neuauflage der schwarz-gelben neoliberalen »Raubwespen« wäre sowieso der größte anzunehmende Unfall. Bleibt also nur die GroKo. Da deckt die CDU den rechten Flügel ab - und spätestens seit Schröder weiß man, dass die da auf keinen Fall schlimmer sind als die SPD an sich. Und die SPD muss in der GroKo ihr soziales Profil pflegen, kehrt also ihre bessere Seite hervor.
So ist also die Lage. Mit oder ohne Gabriel kann man also nicht sicher sein, was man am Ende bekommt, wenn man SPD wählt, und diese Stimme tatsächlich den Ausschlag gibt.
Was mir bei der SPD auch nachhängt, bleibt der »Uekermann-Skandal«. Man mag ihre Rede auf dem Parteitag 2015 gegen Gabriel unsolidarisch bis unhöflich finden, aber sie hat dabei genau die Position gegen den Ex-Parteivorsitzenden zum Ausdruck gebracht, die ich auch teile. Und ich bin da nicht der Einzige.
Es war also zumindest unklug von der SPD, Uekermann einen aussichtsreichen Listenplatz für die Wahl zu verweigern und so zu signalisieren, dass diese Meinungen in der SPD derzeit keinen Platz haben. Das Problem dabei ist nämlich, dass diese Meinung nicht von »irgendwelchen Dritten« vertreten wird, sondern von potenziellen SPD-Wählern, deren Stimmen man bei der nächsten Wahl brauchen wird. Dumm also, diese Wähler vor den Kopf zu stoßen und sie demonstrativ aus der Partei auszugrenzen; und auch das nehme ich nicht leicht.
Bleibt also festzuhalten, Gabriels Rücktritt hat - für mich - die Karten neu gemischt. Von seinem ganzen politischen Wirken hat dieser Schritt tatsächlich am meisten dazu beigetragen, die auch von der JuSo-Vorsitzenden formulierten Zweifel an seiner politischen Glaubwürdigkeit und seiner Haltung zu zerstreuen. Ich bin geneigt, ihm dafür Respekt zu zollen.
Die SPD ist für mich wieder wählbar. Und ich werde mir jetzt auf jeden Fall mal anschauen, wofür genau sein Nachfolger Schulz eigentlich steht. Ob das reicht, um meine Stimme bei der nächsten Wahl zu gewinnen ... Ich weiß es noch nicht. Der Rücktritt war ohne Zweifel eine notwendige, aber noch keine hinreichende Bedingung.
Ich denke drüber nach. Ich schaue mir die Gesamtkonstellation an. Ich werde wahrscheinlich kurzfristig entscheiden. Im Grunde aber erhoffe ich zumindest noch eine weitere Geste über den Rücktritt hinaus, die deutlich macht, dass die Partei auch die Gabriel-kritischen Stimmen ernsthaft wieder zu integrieren wünscht. Kurz gesagt, es ist immer noch nicht zuletzt Uekermanns Listenplatz für die Wahl, der von meiner Seite her eine Bauchentscheidung pro SPD verhindert.
Eine weitere Geste, die das korrigiert, könnte da den Ausschlag geben. Sonst wird es eine Kopfentscheidung werden - und wie die ausgehen wird, weiß ich selbst noch nicht.
Punkt.
Nun ist er also weg. Und die SPD plötzlich wieder wählbar. Oder zumindest nicht mehr per se ausgeschlossen. Und das bringt mich ins Grübeln. Denn die Partei wird damit nicht plötzlich eine andere - und da bleibt einiges, was mich stört.
Kurz gesagt, eigentlich ist mir die SPD in den letzten Jahrzehnten zu weit nach rechts gerückt, und die linken (= gewerkschaftsnahen) Reste, die sie noch pflegt, sind nicht die meinen. Auch die Konstellationen für die nächste Wahl haben sich nicht verändert - und die sehen halt so aus, dass ich die GroKo für die einzig erträgliche Alternative halte.
Das überrascht vielleicht, warum ich die SPD am liebsten mit den »Schwarzen« zusammensehe, wo sie mir doch allein schon zu rechts ist. Auf den ersten Blick scheint es da logischer, eine Rot-rot-grüne »Linkskoalition« zu wünschen. Nur leider hat mich die Erfahrung gelehrt, dass diese Koalitionen mit kleineren Partnern dazu führen, dass alle Beteiligten ihre schlimmsten Seiten zeigen. Und Linke und Grüne haben von Flüchtlingspolitik bis Wirtschaftsverhinderung eine Menge Zumutungen im Programm, bei denen ich befürchte, dass sie in einer Linkskoalition Teil des Pakets werden, während die SPD dann den »rechten« Flügel abdecken muss. Man kriegt also bei diesem Dreiergespann von jedem Beteiligten voraussichtlich genau das, was man nicht von ihm will.
Eine Neuauflage der schwarz-gelben neoliberalen »Raubwespen« wäre sowieso der größte anzunehmende Unfall. Bleibt also nur die GroKo. Da deckt die CDU den rechten Flügel ab - und spätestens seit Schröder weiß man, dass die da auf keinen Fall schlimmer sind als die SPD an sich. Und die SPD muss in der GroKo ihr soziales Profil pflegen, kehrt also ihre bessere Seite hervor.
So ist also die Lage. Mit oder ohne Gabriel kann man also nicht sicher sein, was man am Ende bekommt, wenn man SPD wählt, und diese Stimme tatsächlich den Ausschlag gibt.
Was mir bei der SPD auch nachhängt, bleibt der »Uekermann-Skandal«. Man mag ihre Rede auf dem Parteitag 2015 gegen Gabriel unsolidarisch bis unhöflich finden, aber sie hat dabei genau die Position gegen den Ex-Parteivorsitzenden zum Ausdruck gebracht, die ich auch teile. Und ich bin da nicht der Einzige.
Es war also zumindest unklug von der SPD, Uekermann einen aussichtsreichen Listenplatz für die Wahl zu verweigern und so zu signalisieren, dass diese Meinungen in der SPD derzeit keinen Platz haben. Das Problem dabei ist nämlich, dass diese Meinung nicht von »irgendwelchen Dritten« vertreten wird, sondern von potenziellen SPD-Wählern, deren Stimmen man bei der nächsten Wahl brauchen wird. Dumm also, diese Wähler vor den Kopf zu stoßen und sie demonstrativ aus der Partei auszugrenzen; und auch das nehme ich nicht leicht.
Bleibt also festzuhalten, Gabriels Rücktritt hat - für mich - die Karten neu gemischt. Von seinem ganzen politischen Wirken hat dieser Schritt tatsächlich am meisten dazu beigetragen, die auch von der JuSo-Vorsitzenden formulierten Zweifel an seiner politischen Glaubwürdigkeit und seiner Haltung zu zerstreuen. Ich bin geneigt, ihm dafür Respekt zu zollen.
Die SPD ist für mich wieder wählbar. Und ich werde mir jetzt auf jeden Fall mal anschauen, wofür genau sein Nachfolger Schulz eigentlich steht. Ob das reicht, um meine Stimme bei der nächsten Wahl zu gewinnen ... Ich weiß es noch nicht. Der Rücktritt war ohne Zweifel eine notwendige, aber noch keine hinreichende Bedingung.
Ich denke drüber nach. Ich schaue mir die Gesamtkonstellation an. Ich werde wahrscheinlich kurzfristig entscheiden. Im Grunde aber erhoffe ich zumindest noch eine weitere Geste über den Rücktritt hinaus, die deutlich macht, dass die Partei auch die Gabriel-kritischen Stimmen ernsthaft wieder zu integrieren wünscht. Kurz gesagt, es ist immer noch nicht zuletzt Uekermanns Listenplatz für die Wahl, der von meiner Seite her eine Bauchentscheidung pro SPD verhindert.
Eine weitere Geste, die das korrigiert, könnte da den Ausschlag geben. Sonst wird es eine Kopfentscheidung werden - und wie die ausgehen wird, weiß ich selbst noch nicht.
Donnerstag, 5. Januar 2017
Die Invasion der Mausianer
Nach zwei Jahren Ruhe ist es wieder so weit: Die Mäuse haben erneut den Weg auf den Dachboden gefunden. Also hab ich gestern Abend wieder die Falle hervorgekramt und im Dachraum aufgestellt. Als ich sie heute überprüft habe, war der Köderteller leergefressen, aber die Falle hatte sich nicht geschlossen. Außerdem hatte eine gleich daneben wohnende große Kugelspinne spontan beschlossen, ihr Netz zu erweitern, und die halbe Falle gleich eingesponnen.
Kurz gesagt: Anscheinend hatte jeder Bewohner des Dachbodens seinen Spaß mit dem Ding, nur ich bin leer ausgegangen.
Also habe ich heute die Falle neu bestückt, und als ich ein paar Stunden später mal die Kamera einschalte, um zu sehen, ob sich schon was tut, sehe ich sie vor mir: die Maus. Ganz sorglos sitzt sie in der Käfigfalle und knabbert den Köder aus dem Kronkorken, den ich als Tellerchen da reingestellt habe. Die Falle löst nicht aus.
Ich denke mir also, ich erschrecke die mal. Vielleicht macht sie dann eine ruckartige Bewegung, durch die sich die Falle schließt. Ich klopfe gegen die Decke. Auf dem Kamerabild sehe ich, wie die Maus tatsächlich beunruhigt reagiert. Wie sie davonrennt - und den Kronkorken mitsamt Köder einfach mitnimmt, um an einer ungestörten Stelle weiter zu essen.
Und die Falle löst nicht aus ...
Wenn ich nicht in früheren Jahren schon eine Menge Mäuse damit geschnappt und umgesiedelt hätte, würde ich also sagen, die Falle taugt nichts. Aber tatsächlich funktionierte sie bislang ganz gut. Es muss also wohl an der Maus liegen (»Ist ja wie bei Tom & Jerry«, sagte Linda, als die Maus mit dem Tellerchen weglief) - zu intelligent, zu geschickt ... und auf jeden Fall die dreisteste Maus, die ich je gesehen habe.
Kurz gesagt: Anscheinend hatte jeder Bewohner des Dachbodens seinen Spaß mit dem Ding, nur ich bin leer ausgegangen.
Also habe ich heute die Falle neu bestückt, und als ich ein paar Stunden später mal die Kamera einschalte, um zu sehen, ob sich schon was tut, sehe ich sie vor mir: die Maus. Ganz sorglos sitzt sie in der Käfigfalle und knabbert den Köder aus dem Kronkorken, den ich als Tellerchen da reingestellt habe. Die Falle löst nicht aus.
Ich denke mir also, ich erschrecke die mal. Vielleicht macht sie dann eine ruckartige Bewegung, durch die sich die Falle schließt. Ich klopfe gegen die Decke. Auf dem Kamerabild sehe ich, wie die Maus tatsächlich beunruhigt reagiert. Wie sie davonrennt - und den Kronkorken mitsamt Köder einfach mitnimmt, um an einer ungestörten Stelle weiter zu essen.
Und die Falle löst nicht aus ...
Wenn ich nicht in früheren Jahren schon eine Menge Mäuse damit geschnappt und umgesiedelt hätte, würde ich also sagen, die Falle taugt nichts. Aber tatsächlich funktionierte sie bislang ganz gut. Es muss also wohl an der Maus liegen (»Ist ja wie bei Tom & Jerry«, sagte Linda, als die Maus mit dem Tellerchen weglief) - zu intelligent, zu geschickt ... und auf jeden Fall die dreisteste Maus, die ich je gesehen habe.
Samstag, 30. Januar 2016
Müdigkeit
Letzte Nacht habe ich wirklich mies geschlafen. Dann wurde ich am Morgen wach, und es war stockdunkel. Also wirklich pechschwarze Nacht! Ich habe mich noch gewundert - das letzte Mal davor war ich um halb sieben wach geworden, hatte auf die Uhr geschaut und war danach wieder eingeschlafen. Ich wusste also, dass es eher morgens war als Mitternacht. Konnte es wirklich noch so dunkel sein?
Nicht mal die Straßenlaterne durch das Fenster war zu sehen. Schon ausgeschaltet, aber die Sonne war noch nicht aufgegangen?
Ich tastete also in der Dunkelheit nach meiner Brille. Wartete darauf, dass ich mich irgendwie an das Licht gewöhne und wenigstens irgendwas erkenne. Und in dem Augenblick fiel mir auf, dass meine Augen noch geschlossen waren.
Offenbar hatte ich beim Wachwerden vergessen, sie aufzumachen.
Als ich das dann nachholte, stellte ich fest, dass es acht Uhr morgens war und eigentlich hell genug, um recht gut zu sehen ...
Ich muss zugeben, so was ist mir bis jetzt noch nie passiert. Ich hätte nicht mal gedacht, dass es möglich ist. Vor allem, dass man sogar recht lange rumtastet und gar nicht bemerkt, dass die Augen zu sind.
Nun ja, ich habe in dieser Nacht wirklich sehr schlecht geschlafen. Und ich muss wirklich sehr müde gewesen sein an diesem Morgen. Und weiß jetzt wenigstens, wie sich richtige Müdigkeit anfühlt. Also: Egal, wie man sich morgens beim Aufwachen fühlt - solange man die Augen aufkriegt, kann man so müde nicht sein.
Nicht mal die Straßenlaterne durch das Fenster war zu sehen. Schon ausgeschaltet, aber die Sonne war noch nicht aufgegangen?
Ich tastete also in der Dunkelheit nach meiner Brille. Wartete darauf, dass ich mich irgendwie an das Licht gewöhne und wenigstens irgendwas erkenne. Und in dem Augenblick fiel mir auf, dass meine Augen noch geschlossen waren.
Offenbar hatte ich beim Wachwerden vergessen, sie aufzumachen.
Als ich das dann nachholte, stellte ich fest, dass es acht Uhr morgens war und eigentlich hell genug, um recht gut zu sehen ...
Ich muss zugeben, so was ist mir bis jetzt noch nie passiert. Ich hätte nicht mal gedacht, dass es möglich ist. Vor allem, dass man sogar recht lange rumtastet und gar nicht bemerkt, dass die Augen zu sind.
Nun ja, ich habe in dieser Nacht wirklich sehr schlecht geschlafen. Und ich muss wirklich sehr müde gewesen sein an diesem Morgen. Und weiß jetzt wenigstens, wie sich richtige Müdigkeit anfühlt. Also: Egal, wie man sich morgens beim Aufwachen fühlt - solange man die Augen aufkriegt, kann man so müde nicht sein.
Dienstag, 20. Oktober 2015
Was läuft falsch in Deutschland?
Zwei 30-jährige Jubiläen gab es dieser Tage zu feiern: Der 30. Geburtstag des 386-Prozessors. Und 30 Jahre Schwarzwaldklinik. Das eine eine technische Revolution, der erste 32-Bit-Prozessor, der noch bis heute die moderne Computerwelt prägt. Das andere eine Revolution der Belanglosigkeit.
Es darf jetzt jeder mal raten, welches dieser beiden Ereignisse unsere Tageszeitung als erwähnenswert erachtete.
In diesen Tagen, wo die Lage der Nation gern allein an der Flüchtlingsfrage gemessen wird, gehen solche kleinen Zeichen allzu leicht unter. Dabei verraten womöglich gerade sie am meisten über die Entwicklung unserer Gesellschaft - denn ich halte das oben genannte Beispiel nicht für einen Zufall in der Berichterstattung, sondern für ein typisches Symptom. Technische Bildung steht nicht gerade weit oben in der Werteskala - und das ist auf Dauer unglücklich für eine Industrienation, und damit auch eine Bedrohung für all das, was wir an gewohnten Standards bewahren wollen.
Es darf jetzt jeder mal raten, welches dieser beiden Ereignisse unsere Tageszeitung als erwähnenswert erachtete.
In diesen Tagen, wo die Lage der Nation gern allein an der Flüchtlingsfrage gemessen wird, gehen solche kleinen Zeichen allzu leicht unter. Dabei verraten womöglich gerade sie am meisten über die Entwicklung unserer Gesellschaft - denn ich halte das oben genannte Beispiel nicht für einen Zufall in der Berichterstattung, sondern für ein typisches Symptom. Technische Bildung steht nicht gerade weit oben in der Werteskala - und das ist auf Dauer unglücklich für eine Industrienation, und damit auch eine Bedrohung für all das, was wir an gewohnten Standards bewahren wollen.
Sonntag, 4. Oktober 2015
Stuss beim Datenschutz
Es wäre leichter
für Verbraucher und Anbieter, den geforderten Datenschutz ernster zu
nehmen, wenn die Umsetzung hierzulande nicht so betont schwachsinnig
wäre.
Konkretes
Beispiel: Wer hat sie in letzter Zeit nicht gesehen, die mal kleinen,
mal größeren Einblendungen, die sich auf allen möglichen Webseiten
mehr oder minder aufdringlich ins Bild schieben und dazu auffordern,
sie anzuklicken, um das Setzen von Cookies zu bestätigen. Einen
praktischen Nutzen haben diese Fenster nicht. Wenn man sie nicht
anklickt, funktionieren die Seiten trotzdem – offensichtlich muss
man also nicht klicken, um die Cookies freizuschalten. Der einzige
Unterschied ist, dass man, solange man nicht klickt, von dieser
Aufforderung belästigt wird. Oft so penetrant, dass sich das Fenster
über den Text schiebt, den man lesen will.
„Dann klick doch
einfach“, will der ein oder andere gedankenlose Internetsurfer
vielleicht sagen. Aber so einfach ist das nicht. Ich beispielsweise
habe mir konsequent angewöhnt, aufpoppende Fenster nicht
anzuklicken. Denn man kann nie sicher sein, was so ein Klick auslöst.
Wer weiß schon, ob das Fenster tatsächlich vom Anbieter der Seite
kommt, oder ob nicht – sei es durch einen Hack oder ganz einfach
über eine normale Werbeschnittstelle – von einem böswilligen
Dritten ein Script eingeschleust wurde, dass nur so aussieht wie eine
„offizielle“ Nachfrage und das in Wirklichkeit den Userklick
benötigt, um Malware zu installieren?
Somit reiht sich
die Cookies-Frage unter die Vorfälle ein, in denen von offizieller
Seite ein Userverhalten gefordert und provoziert wird, das
Sicherheitslücken schafft. Und es sind ganz offensichtlich deutsche
Datenschutzbestimmungen und deutsche Datenschutzbeauftragte, die
diese Sicherheitslücken im Netz erzeugen.
Also, vielen Dank
für diesen Beweis der Nützlichkeit von Datenschutz.
Für diesen
neuerlichen Beweis – denn es ist bei Weitem nicht die erste Aktion,
die am Sachverstand der Beteiligten zweifeln lässt. Ich denke
beispielsweise an die Regeln für private Kameras, die vor allem
Kriminelle schützen, aber für den Datenschutz in der Regel so
irrelevant sind wie die Cookie-Abfragen.
Meinem Gefühl
nach werden im deutschen Datenschutz einfach zu viele Luftblasen
produziert, die am Ende niemanden schützen, sondern im Gegenteil
echten Schutz aushebeln – die also mehr Schaden als Nutzen
anrichten. Und das macht es mir schwer, die Akteure auf diesem Gebiet
zu unterstützen. Denn wer will sich schon auf die Seite von
weltfremden Eiferern stellen, die nur Murks produzieren, selbst wenn
ihre Anliegen in der Theorie edel sind?
Wenn es also
heißt, wir brauchen mehr Datenschutz, würde ich dem erst mal
zustimmen. Vor allem aber brauchen wir anderen Datenschutz.
Und vermutlich andere Datenschützer. Denn die falschen Verbündeten
können für eine Sache oft viel schädlicher sein als die Gegner.
Solange es so läuft, wie es läuft, wundert mich jedenfalls nicht,
wenn die Forderung nach Datenschutz von Industrie und Politik
belächelt und vom Verbraucher eher gleichgültig bis genervt
aufgenommen wird.
Dienstag, 4. August 2015
Die netzpolitik.org-Affäre
So schnelllebig ist das Internet, dass Beiträge schon mal veraltet sind, bevor sie veröffentlicht werden. So habe ich heute unterwegs einen Blogbeitrag zur Pressekonferenz unseres Generalbundesanwalts verfasst, mit dem Fazit, dass ein angemessener Abschluss der Affäre ohne Ranges Rücktritt mittlerweile eigentlich undenkbar ist. Kaum bin ich zu Hause und will den Beitrag online stellen - da lese ich, dass Range schon entlassen wurde. Kann ich mir also die ganzen feinsinnigen Ausführungen sparen und nutze die neueste Entwicklung gleich für ein Fazit:
Gut so.
Nicht etwa, weil Range die Arbeit von Journalisten juristisch überprüfen wollte - wenn es bei dem Fall wirklich darum ginge, hätte der Generalbundesanwalt mit seinen Ausführungen sogar recht gehabt. Vielmehr ist Range einfach darum untragbar geworden, weil bei ihm viel zu wenig Sensibilität für die verfassungsrechtlichen Werte erkennbar war, die von seinem Handeln berührt wurden, und weil er immer noch nach Rechtfertigungen suchte, selbst als ihm der Fall längst um die Ohren geflogen war.
Und, letztendlich, wer braucht einen Bundesanwalt, der in nachgewiesenen Spionageakten ausländischer Mächte nicht ermittelt, dafür aber deutsche Bürgerrechtler wegen Landesverrats verfolgt? Es ist vor allem diese Kombination, die ihn viel schlechter dastehen lässt, als jede einzelne Aktion für sich es könnte.
Die von verschiedenen Seiten vorgebrachte Kritik an Justizminister Maas greift hingegen zu kurz und ist jedenfalls wenig geeignet, um Ranges Position zu stärken: Der Vorwurf der "politischen Einflussnahme" verkennt vollkommen, dass schon die Einleitung des Verfahrens von vornherein eine politische Dimension hatte. Und der Hinweis, dass Maas auch schon früher hätte Stellung beziehen und die ganze Affäre hätte verhindern können, ist zwar nicht ganz falsch. Aber wenigstens hat Maas schließlich gehandelt; der Generalbundesanwalt stünde jetzt besser da, wenn er selbst früher Konsequenzen gezogen und nicht erst gewartet hätte, bis sein Dienstherr die Notbremse zieht.
Gelegenheiten für einen geordneten Rückzug gab es genug: Viele der speziellen Umstände, die das Verfahren fragwürdig erschienen ließen, kamen erst im Laufe der Zeit ans Licht. Range hätte die Enthüllungen nutzen können, um die Verantwortung an Verfassungsschutzpräsident Maaßen weiterzureichen - mit der Begründung, das Maaßens Anzeige dem Fall zunächst ein größeres Gewicht zugeschrieben hätte, als bei näherer Betrachtung haltbar sei.
Aber, gut: Wenn es etwas gibt, was Generalbundesanwalt Range in diesem Fall doch noch sympathischer erscheinen lässt, dann wohl der Eindruck, dass er das Spiel mit dem Weiterschieben von Verantwortung einfach nicht so gut beherrscht wie seine Mitakteure auf der Berliner Bühne, die das heiße Eisen letztendlich bei ihm haben liegen lassen.
Gut so.
Nicht etwa, weil Range die Arbeit von Journalisten juristisch überprüfen wollte - wenn es bei dem Fall wirklich darum ginge, hätte der Generalbundesanwalt mit seinen Ausführungen sogar recht gehabt. Vielmehr ist Range einfach darum untragbar geworden, weil bei ihm viel zu wenig Sensibilität für die verfassungsrechtlichen Werte erkennbar war, die von seinem Handeln berührt wurden, und weil er immer noch nach Rechtfertigungen suchte, selbst als ihm der Fall längst um die Ohren geflogen war.
Und, letztendlich, wer braucht einen Bundesanwalt, der in nachgewiesenen Spionageakten ausländischer Mächte nicht ermittelt, dafür aber deutsche Bürgerrechtler wegen Landesverrats verfolgt? Es ist vor allem diese Kombination, die ihn viel schlechter dastehen lässt, als jede einzelne Aktion für sich es könnte.
Die von verschiedenen Seiten vorgebrachte Kritik an Justizminister Maas greift hingegen zu kurz und ist jedenfalls wenig geeignet, um Ranges Position zu stärken: Der Vorwurf der "politischen Einflussnahme" verkennt vollkommen, dass schon die Einleitung des Verfahrens von vornherein eine politische Dimension hatte. Und der Hinweis, dass Maas auch schon früher hätte Stellung beziehen und die ganze Affäre hätte verhindern können, ist zwar nicht ganz falsch. Aber wenigstens hat Maas schließlich gehandelt; der Generalbundesanwalt stünde jetzt besser da, wenn er selbst früher Konsequenzen gezogen und nicht erst gewartet hätte, bis sein Dienstherr die Notbremse zieht.
Gelegenheiten für einen geordneten Rückzug gab es genug: Viele der speziellen Umstände, die das Verfahren fragwürdig erschienen ließen, kamen erst im Laufe der Zeit ans Licht. Range hätte die Enthüllungen nutzen können, um die Verantwortung an Verfassungsschutzpräsident Maaßen weiterzureichen - mit der Begründung, das Maaßens Anzeige dem Fall zunächst ein größeres Gewicht zugeschrieben hätte, als bei näherer Betrachtung haltbar sei.
Aber, gut: Wenn es etwas gibt, was Generalbundesanwalt Range in diesem Fall doch noch sympathischer erscheinen lässt, dann wohl der Eindruck, dass er das Spiel mit dem Weiterschieben von Verantwortung einfach nicht so gut beherrscht wie seine Mitakteure auf der Berliner Bühne, die das heiße Eisen letztendlich bei ihm haben liegen lassen.
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