Montag, 13. Februar 2006

Wintergames

Eigentlich bin ich ja kein großer Sportgucker – am Fernseher zuschauen, wie andere Leute sich bewegen, dass fand ich eigentlich stets recht widersinnig. Auch die derzeitigen olympischen Winterspiele ändern daran nichts. Gestern allerdings, beim Kaffeetrinken mit den Schwiegereltern, lief der Fernseher, und da habe ich auch mal ein wenig mitbekommen.
  Das allerdings betraf weniger sportliche Leistungen. Thema des Tages schienen Entscheidungen ganz anderer Art zu sein: Eine Sportlerin wurde gesperrt, weil irgendwelche Blutwerte über irgendeinem Grenzwert lagen. Es ging nicht um Doping, wohlgemerkt – anscheinend räumte jeder ein, dass der Körper dieser Sportlerin nun mal so tickt und Werte in diesem Bereich für sie normal sind. Aber weil es nun mal einen Grenzwert gibt, und weil solche Werte bei normalen Menschen Anzeichen für eine Krankheit sein können, wurde sie vorsichtshalber nicht für die Wettkämpfe zugelassen.
  Ein weiterer Fall war ein Skispringer, der nicht antreten durfte, weil sein Körpergewicht um 200g zu gering war. Hätte er vor dem Wiegen noch ein Glas Wasser getrunken, hätte er starten dürfen; weil er aber kein Glas Wasser getrunken hat, durften andere den Medaillen nachspringen. Hm, lassen sich da vielleicht interessante neue Sportarten für die Sommer-Olympiade ableiten: Prinzipienreiterei, Zahlenakrobatik, juristischer Hürdenlauf ...?


Wintergames – so hieß während meiner Jugend ein beliebtes Computerspiel. Irgendwie habe ich die Spiele dort als ehrlicheren Wettkampf empfunden. Aber das lag vielleicht auch nur daran, dass die Programmierer dort zumindest darauf geachtet haben, dass man am Bildschirm nichts von dem Rechenwerk im Hintergrund mitbekommen hat.
  Dieser Vergleich allerdings hat mich auf einen Gedanken gebracht: Wenn die Teilnahme an den Wettkämpfen heutzutage ohnehin nicht mehr von sportlichen Leistungen abhängt, nicht einmal mehr davon, was irgendwelche Sportler getan haben, sondern nur noch vom blinden Abarbeiten irgendwelcher Zahlen – dann wird das Spektakel doch vollends absurd. Wenn Berechnungen und Analysen oder der Rechtsweg über die Medaillen entscheiden, warum treibt man überhaupt noch so viel Aufwand mit dem Sport? Angesichts der von mir gestern beobachteten Vorgänge würde ich dafür plädieren, olympische Spiele künftig zu streichen und die Medaillengewinner gleich am Computer berechnen zu lassen.
  Das hätte auch den Vorteil, dass man in Zukunft ganz auf die unberechenbaren Sportler verzichten könnte – ich hatte ohnehin schon länger das Gefühl, dass die im geordneten Betrieb der Funktionärskader nur noch als Störfaktor wahrgenommen werden.


So jedenfalls kam allenfalls ein wenig Wrestling-Atmosphäre auf: Ein inszeniertes Schauspiel, wo der sportliche Wettkampf nur noch die Spitze auf einem Eisberg administrativer und sportfremder Entscheidungsprozesse ist. Ich glaube, ich kann darauf auch weiterhin verzichten.

Sonntag, 12. Februar 2006

Die Wahrheit über Mohammed

Endlich weiß ich die Wahrheit über Mohammed – oder, besser gesagt: Endlich habe ich auch mal die umstrittenen 12 Karikaturen über Mohammed gesehen, die derzeit die Welt bewegen, und konnte mir selbst ein Bild über den Anlass des Konflikts machen. Und ich muss sagen, der Anblick war ebenso erhellend wie überraschend.
  Die Karikaturen wirkten größtenteils eher harmlos. Auf manch einem Bild sah man kaum mehr als einen bärtigen Mann mit Turban in neutraler Umgebung, manchmal bot das Bild Raum für alberne, aber eher müde Scherze, die ich nach menschlichem Ermessen jedenfalls nicht als »beleidigend« eingestuft hätte – zumindest nicht als beleidigend für den Islam (Mohammed beispielsweise, wie er vor einer Tafel steht, auf der in arabischer Schrift die Redakteure der Zeitung beschimpft werden, und dem Betrachter die Zunge rausstreckt).
  Zu diesen belanglosen Zeichnungen kommen auch ein paar Karikaturen mit einer politischen Aussage, die ich als »sachangemessen« bezeichnet hätte: Ein Karikaturist zeichnet Mohammed und blickt sich ängstlich um, ob ihm auch keiner zusieht – na ja, die Reaktionen auf die Bilder beweisen ja, dass der darin anklingende Vorwurf wirklichkeitsnah war. Ein Bild mit Mohammed, bei dem der Turban als Bombe gestaltet ist; und ein weiteres Bild, wo Mohammed vor den Toren des Paradieses Selbstmordattentäter abweist: »Stopp! Uns sind die Jungfrauen ausgegangen.«
  Verglichen mit den terroristischen Anschlägen im Namen des Glaubens, die damit karikiert werden, muss man wohl auch diese Zeichnungen als harmlos betrachten – und wer diese Bilder mehr kritisiert als die menschenverachtenden Attentate, auf die sie sich beziehen, muss sich schon fragen lassen, ob seine Religion für angemessene und menschliches Miteinander befördernde Werte steht. Und, ach ja, dann gibt es noch eine regelrecht originelle, hintergründige Karikatur – zwei Frauen in Burka und davor ein »Mohammed« mit einem schwarzen Balken vor den Augen, der genau den Aussparungen in den schwarzen Gewändern der Frauen entspricht.
  Die ganze Provokation bei diesen Bildern liegt wohl kaum in den Zeichnungen, sondern eher darin, dass über all den Bildern explizit »Mohammed« steht – sonst wüsste man kaum, wer überhaupt gemeint ist. Wie also konnten diese so einen Aufruhr auslösen? Immerhin erwartet man ja von den Christen hierzulande, dass sie tagtäglich weit boshaftere Darstellungen ihrer Religion dulden müssen.
  Ich kann es mir so recht nicht erklären. Vielleicht ist es eine Prinzipienfrage, weil man angeblich im Islam Mohammed ja gar nicht darstellen darf – aber andererseits wurden die Bilder von Nicht-Mohammedanern gefertigt, und man kann kaum erwarten, dass die sich an das islamische Bilderverbot halten. Immerhin erwartet man von »Ungläubigen« ja auch nicht dass sie penibel die Gesetze des Propheten einhalten. Auch dass Mohammed mitunter grimmig und in Waffen dargestellt wird, kann man wohl kaum als Beleidigung ansehen. Immerhin gibt es genug Menschen islamischen Glaubens, die selbst voll stolz ihre Waffen tragen und das durchaus als ihrem Glauben konform ansehen.
  Und – mehr ist dort nicht zu finden. Man kann sich über die politische Aussage mancher Karikatur stören; man kann den Bildern vorwerfen, dass sie den Islam mit Stereotypen in Verbindung bringen, oder die Taten weniger in den Vordergrund stellen ... Aber eine Beleidigung des Glaubens oder gar eine Verhöhnung des Propheten kann ich nirgendwo erkennen. Insgesamt würde ich den Tenor eher als bieder erachten – ich habe bereits weit drastischere Karikaturen gesehen, auch über den Islam, die keinerlei Reaktionen nach sich zogen.
  Ich habe im Verlauf der ganzen Diskussion auch gelesen, dass die islamischen Aktivisten aus Dänemark, die die Bilder in der arabischen Welt bekannt gemacht haben, drei eigene und weit drastischere Karikaturen beigelegt haben. Fälschungen also, die tatsächlich geeignet sind, Emotionen zu schüren und beleidigend zu wirken. Das wäre eine Erklärung – wenn es nicht nur ein Gerücht ist. Aber ansonsten fehlt mir nach dem Anblick der Ursache doch jedes Verständnis für den Streit.

Ich würde also jedem empfehlen, der eine Meinung zu den Karikaturen hat, sich die Bilder wirklich mal anzusehen – ob er nun als Mensch mohammedanischen Glaubens gegen die Karikaturen protestiert, ob er als friedlicher Europäer den Redakteuren »Verantwortungslosigkeit« vorwerfen möchte oder ob er das ganze als »Grundsatzfrage der Meinungsfreiheit« hochstilisieren will. Meine Ansicht zu dem Thema hat sich jedenfalls deutlich gewandelt, nachdem ich mich so gründlich informieren konnte. Und ich fühle mich nun von gewissen Formen des Protestes mindestens ebenso angegriffen wie die protestierenden Moslems von den Karikaturen.
  Karikaturen an sich sind sicher ein Grundpfeiler der Meinungsfreiheit. Die Schutzwürdigkeit religiöser Überzeugungen sind allerdings auch ein Wert. Seitdem ich jedoch weiß, um wie viel die Karikaturen noch unter dem »Mainstream« politischer Satire bleiben, seitdem bin ich auch davon überzeugt, dass man den Protesten nicht nachgeben darf – und zwar nicht nur aus Prinzip, sondern ganz konkret dem Anlass entsprechend. Und ich kann jetzt voll verstehen, warum die Dänen eine Entschuldigung vermieden haben, und empfinde Hochachtung vor ihrer Haltung.
  Einen Staat, in dem politische Satire auf der harmlosen Ebene, auf der sich die Karikaturen bewegen, verboten wäre, würde ich nicht mehr als westliche Demokratie nach meinem Verständnis ansehen. Wer solche Bilder verbieten will, der würde auch noch ganz andere Werte unserer Kultur abschaffen – und kann daher nicht Maßstab unseres Handelns sein. Und sollte es auch nicht werden. Die Karikaturen sind in ihrer konkreten Ausprägung nicht einmal in der Nähe dessen, was ich als »umstrittene Zone« beleidigender Satire ansehen würde.
  Statt einer Entschuldigung an oder Kompromissen mit Gewalttätern wäre es vielleicht eher angemessen, die betreffenden Karikaturen als Bestandteil in die gleichfalls umstrittenen »Einbürgerungsfragebögen« aufzunehmen, die in manchen Bundesländern für moslemische Bewerber um die deutsche Staatsbürgerschaft ausgegeben werden; verbunden mit einer Frage wie »Was empfinden sie beim Anblick dieser Bilder? Sind Sie der Ansicht, dass sie eine Beleidigung darstellen und geeignet sind, schwere Rechtsverstöße zu provozieren?«
  Ich würde, ehrlich gesagt, eine solche Frage für viel besser geeignet halten, die Verträglichkeit des Bewerbers mit unserer Kultur zu beurteilen, als manch anderes, was mir über diesen Fragebogen zu Ohren gekommen ist.

Samstag, 11. Februar 2006

Wirtschaftsjournalist oder Milchmädchen?

Heute widme ich mich mal wieder der kritischen Betrachtung meiner Tageszeitung. Das hatte ich schon lang nicht mehr ... nicht, dass es keinen Anlass gegeben hätte ;-) Aber keinen, der es geschafft hätte, mich gegen meinen Zeitmangel zum Schreiben zu bewegen. Heute kam es mir aber doch zu dumm.
  »Wer netto etwa 150.000 Euro Abfindung erhalten hat«, so stand im Kölner Stadt-Anzeiger zu der 200.000-Euro-Abfindung der Telekom zu lesen, »kann bei einer Entnahme von 1.500 Euro pro Monat etwa 100 Monate ... lang leben.« Und weiter wird das Horrorszenario gesponnen: »Ist der ausscheidende Telekom-Mitarbeiter 52 Jahre alt, kommt er ... aus, bis er 60 oder 61 Jahre alt ist.«
  Moment – hallo? Wo bewahrt denn dieser Telekom-Mitarbeiter sein Geld während der 8 Jahre auf? Im Sparstrumpf unter dem Bett? Da würde ich doch sagen, wenn einer so viel wirtschaftlichen Unverstand beweist, tut die Telekom gut daran, diesen bildungsunfähigen Mitarbeiter so rasch wie möglich loszuwerden.
  Aber gemach, gemach – ich glaube nicht, dass der ausscheidende Mitarbeiter, der seine Abfindung kassiert, wirklich so dumm ist, wie ihn der Autor des Artikels hier rechnen möchte. Denn natürlich kann man mit so einer Abfindung auch was Sinnvolles anfangen.
  Was ich so an Geld angelegt habe, hat im letzten Jahr eine Rendite von ca. 40% erwirtschaftet. Ein solcher Ertrag war im vorangegangenen Jahr nicht schwer zu erzielen – man musste schon eher mit seinem Anlagevermögen vor den Kurssteigerungen fortlaufen, um ihn zu vermeiden ;-) Bei einer solchen Rendite würde eine »Netto-Abfindung« von 150.000 Euro sogar bis zum Sankt-Nimmerleinstag eine auskömmliche Rente versprechen.
  Aber natürlich liegt der real zu erwartende Ertrag irgendwo zwischen diesen beiden Extremen – also zwischen der sehr positiven Entwicklung des Kapitalmarktes im letzten Jahr und der Grundschul-Mathematik des Zeitungsartikels. Ich würde mal sagen, eine langfristige Rendite von ca. 7% wäre realistisch zu erzielen. Wenn also der ehemalige Mitarbeiter seine 150.000 Euro derart auf breit gestreuter und auf Sicherheit bedachter Basis anlegt, kann er bei monatlicher Entnahme von 1.500 Euro durchaus annähernd die Zeitspanne zwischen dem 52. und dem 65. Lebensjahr überbrücken. Wenn man davon noch ein (vielleicht verkürztes) Jahr Arbeitslosengeld abrechnet, dann sollte sich die Abfindung sogar ganz gut bis zur Rente strecken lassen. Bei konservativem Anlageverhalten und vernünftiger Berechnung, wohlgemerkt.
  Warum also stellt der Autor des Zeitungsartikels so eine buchstäbliche Milchmädchenrechnung auf? Wahrscheinlich um der Dramatik willen, und damit er später im Artikel die furchtbarsten Folgen an die Wand malen kann. Leider wird es ein Horrorszenario auf dem Niveau eines C-Picture-Horrorfilmes: Man hat ständig das Gefühl, all das Grauen käme nur deshalb zustande, weil sich die skizzierten Akteure so unsäglich blöd verhalten. Im Horrofilm laufen sie alle einzeln in den Wald und dem Monster so lange hinterher, bis sie schließlich gefressen werden. Im Zeitungsartikel sieht der abgefundene Mitarbeiter nur tatenlos seinem Geld hinterher und merkt nach 10 Jahren schließlich: »Upps, alles weg.«
  Das Mitgefühl für die Betroffenen hält sich in beiden Fällen in Grenzen; und rechte Spannung will sich auch nicht einstellen. Und auch wenn ich in letzter Zeit oft genug ein Abdriften der Zeitung mit dem wirtschaftsliberalen Zeitgeist beklagt habe – das heißt keinesfalls, dass ich lieber plumpe, linkskonservative Dummrechnerei auf dem Niveau von Gewerkschaftsfunktionären der letzten Generation lesen möchte! In meiner Zeitung will ich keinen C-Niveau-Grusel, sondern an der Wirklichkeit orientierte Information.


So bleibt der Informationswert des Artikels also noch unter dem Niveau dessen, was ich schon vorher als Allgemeinbildung bezeichnet hätte. Viele interessante Informationen, die mich noch interessiert hätten, fehlten allerdings. So weist der Autor darauf hin, dass bei einer Abfindung von 200.000 Euro ca. 50.000 Euro Steuern fällig wären – da wäre es doch nett gewesen, Alternativen zu diskutieren; ob sich beispielsweise über eine Stiftung oder Verrentung der Beträge ein für den Arbeitnehmer günstigeres Ergebnis erzielen ließe?
  Und bei der Diskussion möglichst unrealistischer Gruselszenarien fiel ganz unter den Tisch, welche realen Gefahren vielleicht auf denjenigen warten, der die Abfindung akzeptiert. Alles, was in dem Artikel genannt wurde, war die Krankenversicherung. Gut. Und wir wissen jetzt, was für Gefahren den 52 jährigen Arbeitslosen erwarten, wenn er sich fahrlässig dumm verhält und in Frührente gehen muss. Aber was erwartet ihn beispielsweise, wenn er sich vernünftig verhält und mit 65 in Rente gehen kann – dann aber davor ca. 15 Jahre nicht mehr gearbeitet hat und dementsprechend auch diese Versicherungszeiten wegfallen?
  Der Schreiber des Artikels schafft es also weder, mir als informiertem Leser etwas Interessantes Neues zu verraten, noch schafft er es auch nur, den schlechter informierten Leser auf einen zeitgemäßen Wissensstand zu diesem aktuellen Thema zu bringen. Stattdessen liefert er dramatische Horrorstories und Milchmädchenrechnungen, die nur mit Spuren von wirtschaftlicher Fachkunde angereichert werden. Aber konkrete Recherche und sachgerecht berechnete Szenarien hätten vermutlich Zeit und Geld gekostet.


Zwei Dinge übrigens, die ich als Leser in die Zeitung investiere und darin auch wiederfinden möchte.

Samstag, 28. Januar 2006

Krass im Stress mit Kress

Gestern konnte ich endlich mal wieder etwas fertigstellen: nämlich die Übersetzung des Romans »Crucible« von Nancy Kress. Jetzt ist alles im Verlag abgegeben, und damit fühle ich mich deutlich entspannter.
  Im Endspurt war es letzte Woche allerdings noch mal richtig stressig, mit Arbeitstagen von 12 Stunden Dauer. Eigentlich wollte ich nur noch die letzten Korrekturen vornehmen, aber man findet dann doch mehr als man denkt – vor allem, wenn man sich an einigen Stellen entschließt, doch noch ein paar zusätzliche Änderungen vorzunehmen.
  Aber das ist eigentlich nichts Ungewöhnliches, sondern eher die Regel, wenn die Abgabe eines Projektes näherrückt.
  Ungewöhnlicher hingegen ist, dass ich nicht nur ein Projekt hier liegen habe, sondern zeitweilig sogar drei Übersetzungen gleichzeitig. Nun, da die Kress-Übersetzung aus dem Haus ist, bleibt mir nur noch eins davon übrig – was den Stresspegel deutlich reduziert. Aber nur den gefühlten Stress – kaum die Arbeitsbelastung. Denn der Abgabetermin für diesen letzten Roman ist nahe, und auch wenn ich schon parallel daran gearbeitet habe, spüre ich jetzt doch die Folgen davon, dass ich in der letzten Woche gar nichts mehr für die nächste Übersetzung tun konnte, sondern »Crucible« all meine Zeit geschluckt hat.
  Zeit, die ich in den nächsten Tagen erst mal wieder rausarbeiten muss.


Aber zum Glück ist auch da das Ende zumindest in Sicht. Im März ist Schluss, und der Urlaub ab April ist schon fest geplant und zum Teil auch gebucht. Und dann ist auch wieder die Zeit für eigene Projekte da – hoffentlich auch für ein wenig aufwendigere Blogeinträge.

Freitag, 20. Januar 2006

Bravo, PLUS

Also, am Montag hatte ich mich ja noch beschwert, weil der angebotene Multimedia-Player nicht da war. Heute nehme ich alles zurück und behaupte das Gegenteil. Und das kommt so:


Nachdem ich mich am Montag so richtig schön geärgert habe, weil ich zwar rechtzeitig im Laden war, aber nicht ein einziges Exemplar der beworbenen Ware angeliefert wurde, habe ich gleich die Anschriften von Wettbewerbszentrale und Verbraucherschutz herausgesucht, um eine entsprechende Beschwerde abzuschicken. Dann allerdings erinnerte ich mich an die Grundsätze meiner journalistischen Ausbildung und fragte erst mal bei Plus wegen einer Stellungnahme nach. Immerhin war es ja durchaus möglich, dass tatsächlich nur ein technischer oder logistischer Mangel dazu geführt hatte, dass gewisse Filialen nicht beliefert worden waren.
  Zum meiner Überraschung wurde diese Anfrage nicht einfach abgewimmelt oder verschwand im virtuellen E-Mail-Nirvana, sondern ich bekam Antworten – oder besser gesagt, Nachfragen. Und heute war es dann so weit: Ich konnte meinen nachgelieferten Player tatsächlich noch in der Filiale nebenan abholen.
  Nun weiß ich diesen Service sehr zu schätzen. Mir ist nämlich durchaus bewusst, dass ich als Kunde und Opfer von irreführender Werbung zwar das Recht habe, mich zu beklagen, und das womöglich wettbewerbsrechtliche Schritte gegen den Händler eingeleitet werden könnten – dass ich persönlich aber davon keinen Vorteil hätte, weil kein Rechtsanspruch auf den beworbenen Artikel besteht. Plus hat sich also wirklich ins Zeug gelegt, um mir die Ware zu beschaffen, obwohl sie das nicht hätten tun müssen.
  Darüber bin ich jetzt nicht nur überrascht, sondern sogar noch erfreut über das gezeigte Engagement. Ich sage sonst immer gerne, dass jeder Geld gegen Ware tauschen kann – dass man aber die Qualität eines Kaufmannes erst dann erkennt, wenn Probleme auftreten und sein Service auf die Probe gestellt wird. Und in dieser Hinsicht hat Plus vorbildlich reagiert. Sogar mehr als vorbildlich: weil der am Montag ausgeschriebene Player offenbar nicht mehr vorhanden war, haben sie mir ein entsprechendes Ersatzgerät sogar eine Klasse größer geliefert. Wow.
  Ich muss also sagen: Plus macht vielleicht Fehler – aber sie tun auch alles, um es wieder gut zu machen.


Das würde ich mir von manch anderem Händler auch wünschen – aber da das noch ein »schwebendes Verfahren« ist, werde ich davon erst zu einem späteren Zeitpunkt schreiben. Wenn ich nämlich weiß, was dabei herausgekommen ist. Irgendwie scheint der Januar in diesem Blog der Monat der Kundenbeschwerden zu werden – aber es kommen gewiss auch mal wieder andere Zeiten und Texte ;-)

Montag, 16. Januar 2006

Ein billiges Angebot bei PLUS

Heute gab es bei Plus einen ganz besonderen »Montags-Preisknaller«. Nun, zumindest gab es ihn im Prospekt und auch an den Filialen angeschlagen; real und greifbar in den Regalen allerdings eher nicht ...
  Aber der Reihe nach: Ein Multimedia-Player mit 20GB Festplatte für nur 149 Euro klingt doch ganz gut, so dachte ich mir. Allerdings rechnete ich durchaus damit, dass ungefähr 14,9 Millionen Deutsche dasselbe denken, und deshalb war ich heute früh auf den Beinen.
  Um Punkt 8 Uhr stand ich vor der Filiale um die Ecke – weit und breit als einziger. »Super«, dachte ich mir. »Den Player kann mir niemand mehr wegschnappen.« Und ich hatte Recht. Mir konnte tatsächlich niemand dieses Sonderangebot wegschnappen – weil es in der Filiale überhaupt nicht vorrätig war!
  Danach wurde es hektisch. Als Erstes fuhr ich in die nächste Plus-Filiale in der Stadt, um dort mein Montagsschnäppchen zu ergattern. Fehlanzeige. Auch hier war ich der erste Kunde, aber ein erstes Gerät war gar nicht erst geliefert worden. Desgleichen im dritten Geschäft in Leverkusen-Opladen: »Lieferschwierigkeiten«, beschied man mir. »Die Geräte haben wir gar nicht bekommen.«
  Das war der Zeitpunkt, ab dem ich gar nicht mehr ernsthaft damit gerechnet habe, dass dieser Multimediaplayer jemals anderswo als im Prospekt auftauchen würde. Doch ich hatte mich getäuscht. In der Filiale in Leverkusen Quettingen bestätigte man mir, dass solche Geräte vorrätig ... gewesen war. Und dasselbe wiederholte sich dann in Leverkusen-Lützenkirchen.
  Mein Fazit des heutigen Einkaufsmorgens: In den ersten drei Geschäften, die ich zwischen 8.00 Uhr und 8.20 aufsuchte, war überhaupt nie ein Stück des angepriesenen Sonderangebotes angeliefert worden. In zwei weiteren Filialen, die ich zwischen 8.30 und 8.50 besuchte, ließ man mich wissen, dass ich »halt früher hätte kommen müssen«.
  Zur Mühe also noch den Hohn dazu – ein echtes Montagsschnäppchen.


Nun ist es natürlich sehr billig, wenn man Sonderangebote anbietet, die man offenbar gar nicht verkaufen möchte. Ob es allerdings wirklich gute Werbung ist, wage ich doch zu bezweifeln. Wenn nur drei Stück da sind und man geht leer aus – nun, daran hat man sich inzwischen ja gewöhnt. Ich hatte so was ja schon einkalkuliert, als ich heute morgen aufgebrochen bin. Aber Sonderangebote, die nicht nur in der ersten halben Stunde vergriffen, sondern dazu noch in drei von fünf Läden gar nicht vorhanden sind – das geht dann doch etwas weit.
  Und jetzt mache ich mal Schluss und werde erst mal nachschauen, wohin ich mich wenden muss, um meine heute Morgen getätigten Erfahrungen wettbewerbsrechtlich aktenkundig zu machen. Denn das will ich ganz bestimmt. Zwar kann ich wohl kaum darauf hoffen, den Player doch noch irgendwann zu bekommen – aber wenn der Plus schon seine Werbung als Sonderangebot aufzieht, muss es ja doch nicht ganz kostenlos bleiben.

Samstag, 14. Januar 2006

Deutscher Phantastik-Autor in Vulkan gestürzt

Mein letzter Beitrag liegt nun schon zwei Wochen zurück, und sicher hat sich der ein oder andere schon gefragt, woher diese Funkstille kommt. Man rechnet ja immer damit, dass solche Internetseiten unvermittelt eingestellt werden (habe ich selbst oft genug bei Web-Comics erlebt – aber das ist eine andere Geschichte). Und dann nicht einmal ein paar Worte zum neuen Jahr?
  Nun, das hatte gute Gründe.


Zu diesem Jahreswechsel nämlich leistete ich mir ein pyrotechnisches Wunderwerk namens »Megavulkan« (oder so ähnlich). Ein wirklich ansehnlicher Feuerwerkskörper: Ein Kegel, der mir fast bis zum Knie reichte.
  Ich stellte diesen Kegel also in der Silvesternacht auf, aber es war glatt, und ich stolperte – und da kam mir die Erleuchtung! Ich sah schon die Schlagzeilen vor mir: Deutscher Phantastik-Autor in Vulkan gestürzt ... Was für ein spektakulärer Abgang, der gewiss nicht ohne Auswirkung auf die Publicity bleiben würde. Und dafür müsste ich nicht mehr tun, als hinfort von der Bildfläche zu verschwinden. Die Leser würden meine Bücher aus den Regalen reißen ...
  So dachte ich mir. Als ich aber noch mal genauer darüber nachdachte, kamen mir doch Zweifel. Zum einen gab es mir natürlich zu denken, dass ich bisher erst zwei Bücher veröffentlicht habe, und eines davon auch schon nicht mehr erhältlich ist. Ich musste mir eingestehen, dass dieser Umstand den Erfolg meiner grandiosen Marketing-Idee schon erheblich schmälern kann. Da gibt es leider nicht allzu viel, was die Leser aus den Regalen reißen könnten; und auch die Anthologien, in denen ich vertreten bin, können diesen Mangel nur unzureichend ausgleichen.
  Irgendwie schade – da bin ich wohl zur Unzeit in den Vulkan gestürzt.
  Ich habe also zwei Wochen nachgedacht und bin zu dem Ergebnis gekommen, dass ich die günstige Gelegenheit wohl doch nicht nutzen kann. Also heißt es für mich, erst noch ein paar weitere Romane zu schreiben und zu veröffentlichen – und dann und wann zu Sylvester mal wieder einen Megavulkan zu kaufen und zu hoffen, dass die Rahmenbedingungen sich bis dahin ein wenig verändert haben.
  Und, ja, in der Zwischenzeit muss ich mich natürlich nicht versteckt halten und kann daher auch mein Blog weiterführen.


Ach ja: Das wird aber leider auch in den nächsten Wochen eher stotternd geschehen. Im Augenblick habe ich nämlich wirklich viel Stress und wenig Zeit: Zwei Übersetzungen sind fertigzustellen, und jeden Tag habe ich ein Pflichtpensum abzuarbeiten – eine gewisse Menge der ersten Übersetzung überarbeiten, eine gewisse Menge der zweiten Übersetzung übersetzen. Wenn ich damit fertig bin, ist es in der Regel ca. 22.00 Uhr abends (wenn ich Glück habe), und dann bleibt mir noch ein bisschen Zeit für Ausgleichssport ... und wenig für sonstiges.
  Und das wird auch noch bis März so bleiben.
  Dann allerdings ist auch schon die Erholungsphase vorgebucht: Ein Aufenthalt in der Kluterthöhle, und danach eine Fahrt an die Nordsee. Ich sehe schon die Schlagzeilen vor mir: Phantastik-Autor in unheimlichem Höhlenlabyrinth verschollen ... Phantastik-Autor von Mega-Tsunami verschlungen ...


Äh, ja. Ich halte euch auf dem laufenden. In diesem Blog. Ganz bestimmt. Und wenn es mal was länger dauert, wissen jetzt ja alle, woran das liegt.